Viele Gemeinden zögern noch

Zahlreiche, vor allem größere Orte, haben schon Unterkünfte für Asylbewerber bereitgestellt. Auch in Neustadt/WN fanden Flüchtlinge eine Bleibe. Angesichts des großen Zustroms fordert Regierungspräsident Axel Bartelt nun aber auch Kommunen zum Engagement auf, die bislang noch nicht in Erscheinung getreten sind. Archivbild: Götz

Weit mehr als ein Drittel der 226 Gemeinden in der Oberpfalz nimmt bisher keine Flüchtlinge auf. Damit sich dies ändert, fordert Regierungspräsident Axel Bartelt in einem Brandbrief an alle Bürgermeister Solidarität ein. Alle Gemeinden müssten sich ihrer Verantwortung stellen, "damit unsere Willkommenskultur keine Risse erleidet".

Regensburg. Die Oberpfalz muss einen Zustrom von wöchentlich 1000 bis 1400 Asylbewerbern logistisch meistern. Als Erstaufnahme-Einrichtung ist die Pionierkaserne in Regensburg inzwischen zu mehr als 100 Prozent überbelegt: 700 Flüchtlinge teilen sich 320 Plätze. Die Regierung steht mit dem Rücken zur Wand. Besonders die sogenannte Anschluss-Unterbringung in Gemeinschaftsunterkünften gestaltet sich "zunehmend problematisch". "Die Bewältigung des Asylbewerber-Zustroms wird auf Dauer nur dann gelingen, wenn alle Beteiligten (...) eng zusammenarbeiten und alle denkbaren Reserven ausschöpfen," heißt es in dem unserer Zeitung vorliegenden Schreiben an die Bürgermeister.

Der Regierungspräsident ersucht die Gemeinden, bis 30. September geeignete Objekte für die Unterbringung von Asylbewerbern zu melden. Eine Einkaufsmöglichkeit sollte sich grundsätzlich in Reichweite der Unterkunft befinden.

Noch erhebliches Potenzial

Die Anlage des dreiseitigen Briefs hat es in sich: Sie listet detailliert auf, welche Oberpfälzer Gemeinden am 31. August wie viele Asylbewerber aufgenommen haben - oder nicht. Dem Vernehmen nach soll jede Gemeinde Flüchtlinge in der Größenordnung von ein bis zwei Prozent der Einwohnerzahl einquartieren.

Während die kreisfreien Städte Amberg und Weiden im "Wesentlichen" dieser Quote gerecht werden und sich auch im Landkreis Amberg-Sulzbach fast alle Kommunen - bis auf wenige Ausnahmen - für Flüchtlinge öffnen, besteht in den anderen Landkreisen der südlichen und nördlichen Oberpfalz noch erhebliches Potenzial: Rund die Hälfte der Gemeinden mit meist 800 bis 4500 Einwohnern in den Landkreisen Neustadt/WN, Tirschenreuth und Schwandorf zeigt sich bisher verschlossen. Aus welchen Gründen auch immer. Nach Informationen unserer Zeitung sind darunter auch wohlhabende, schuldenfreie Kommunen.

Bartelt mahnt in dem Brief zwar Defizite bei der gerechten Verteilung der Flüchtlinge in Europa und Deutschland an, gleichwohl müsse sich auch "jede einzelne Gemeinde" dieser Aufgabe stellen.

Überaus schwierige Zeit

Bartelt sieht die menschenwürdige Unterbringung als "immense Herausforderung", die so gerecht wie möglich und solidarisch auf alle Schultern verteilt werden müsse. "Das Problem lässt sich nur lösen, wenn sich hier alle Gemeinden einmütig zeigen", sagte der Regierungspräsident am Mittwoch zu NT/AZ. Die derzeitige Ungleichheit bei der Verteilung berge enormen "politischen Sprengstoff". Gleichwohl dankt Bartelt den Bürgermeistern für die Kraftanstrengungen in den vergangenen Monaten und "die große Unterstützung in dieser überaus schwierigen Zeit. Die Oberpfalz hat hier insgesamt ein hervorragendes Bild abgegeben."
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