Vier Jahre Haft für 28-Jährigen
Gute Geschäfte mit Crystal

(Bild: Symbolbild)
Amberg. (hwo) Die Aussichten, ohne viel Arbeit das große Geld zu verdienen, sind verlockend. Zumal die Drogendealer seit einigen Jahren nicht mehr weite Strecken nach Holland fahren müssen und nur 60 Kilometer von Amberg entfernt auf tschechischen Vietnamesenmärkten Crystal Speed kaufen können, so viel sie wollen. Mit großen Gewinnspannen: 30 Euro für jedes Gramm Amphetamin bringen 80 bis 100 Euro beim Verhökern in der Oberpfalz.

Einer, der diese Art von Einkauf und Umschlag auf sich nahm, sitzt seit heuer für fünfeinhalb Jahre in Haft. Er brachte nach Kripo-Ermittlungen nahezu 400 Gramm über Waidhaus nach Amberg, geriet zur festen Adresse für Speed-Kunden. In Handschellen wurde der 42-Jährige jetzt als Zeuge vor die Erste Strafkammer geführt und musste aussagen gegen einen, der ihn begleitete.

Drei Ankaufsfahrten waren bei der Kripo aktenkundig geworden. Nahm der 28-Jährige auf der Anklagebank an diesen drei Touren teil? "Nein", behauptete er, "ich war nur zwei Mal dabei." Als ebenbürtiger Partner oder als einer, der seinem Kumpel nur einen Gefallen tun wollte? Die Antwort sinngemäß: Eher als Begleiter, der zwar im Auto vom Drogenerwerb erfuhr, ansonsten aber in Amberg lediglich Kunden vermittelte. Wen?

Quasi als Provision

Gegenfrage: "Muss ich das sagen?" Er musste nicht. Auch die Mengen waren strittig. "Einmal 30 Gramm, einmal 80 Gramm", will der 28-Jährige erfahren haben, als sein Bekannter die jenseits von Waidhaus gekauften Tüten mit Crystal Speed in den Wagen legte. Er selbst, so ließ er anklingen, habe nach der ersten Beschaffungsfahrt vier Gramm für den Eigenverbrauch und nach der zweiten Tour drei Gramm und 500 Euro Bargeld erhalten. Quasi als Provision fürs Mitmachen.

Doch als dann der eigentliche Dealer aussagte, hörte sich alles ganz anders an. Er belastete seinen damaligen Beifahrer, sprach von drei Fahrten in dessen Anwesenheit, nannte ihn einen Helfer beim Verkauf der rund 400 Gramm Crystal Speed. Interessant dabei: Als bei dem 42-Jährigen im Herbst letzten Jahres eine Hausdurchsuchung stattfand, fielen den Amberger Rauschgiftfahndern Kundenlisten in die Hände. Daraus resultierten 19 einzelne Ermittlungsverfahren.

Mitläufer oder "Teilhaber", wie eine eng in den Fall verstrickte junge Frau den 28-Jährigen in ihrer polizeilichen Aussage bezeichnet hatte? Staatsanwältin Manuela Zeller ging in ihrem Plädoyer davon aus, dass der Angeklagte mehr als nur kleinere Handlangerdienste geleistet habe und forderte viereinhalb Jahre Haft samt einer bei ihm anzuordnenden Drogentherapie.

Für eine solche Therapie hatte sich im Prozessverlauf eine psychiatrische Sachverständige ausgesprochen. Sie erkannte bei dem elternlos aufgewachsenen und mehrfach vorbestraften Mann eine Abhängigkeit und empfahl der unter Vorsitz von LG-Vizepräsidentin Roswitha Stöber tagenden Strafkammer die Unterbringung in einem sogenannten Maßregelvollzug.

Vier Jahre Haft

Im Urteil folgte das Gericht dem Antrag des Verteidigers Jürgen Mühl. Der 28-Jährige bekam vier Jahre Haft und wurde für zwei Jahre in die Therapie geschickt. Absolviert er sie erfolgreich, könnte die danach noch offene Reststrafe zur Bewährung ausgesetzt werden. In ihrer Bewertung ging die Kammer davon aus, dass der 28-Jährige von den tatsächlich über die Grenze geschmuggelten Crystal-Mengen Kenntnis gehabt habe.

Erst wenige Stunden vor dem Prozess hatten sich die Behörden auf die Spur des zunächst aus seinem Quartier in Amberg abgetauchten Angeklagten gesetzt. Mit einem Vollstreckungshaftbefehl, der aus einem Bewährungswiderruf resultierte, nahmen sie ihn bei Freunden in Auerbach fest und brachten ihn in die Justizvollzugsanstalt Amberg.
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