Vier Sternsinger aus Neunkirchen zu Besuch bei der Kanzlerin
Mit Stern, Charme und Krone

Die Bundeskanzlerin empfing am Mittwoch 108 Sternsinger in Berlin. (Bild: dpa)
 
Julia, Katharina, Nico und Thomas aus der Pfarrei Dionysius in Neunkirchen sind auf dem Weg nach Berlin zur Bundeskanzlerin. (Bild: Elisabeth Schätzler)
 
Bild: dpa

Nicht mit Kamel oder Elefant geht es auf Reisen, sondern mit dem Zug machen sich die Heiligen Drei Könige von heute auf den Weg. In den Trolleys, Rucksäcken und Taschen: Krone, Stern und Umhänge – und das Handy darf auch nicht fehlen. Vier Sternsinger aus Neunkirchen treten die Reise an – zwar nicht den weiten Weg nach Bethlehem, aber immerhin nach Berlin.

Geschafft! Nach einer guten Stunde ist schon wieder alles vorbei. Erleichtert ziehen Nico Sperrer, Thomas Dittrich, Julia Strehl und Katharina Uschald ihre Kostüme wieder aus. „Mit der Zeit wird der Stern schon ganz schön schwer“, gesteht Thomas. Auch die anderen – allen voran Begleiterin Maria Gabler – machen glückliche Gesichter und sind sichtlich beeindruckt von der Zeremonie.

Sie waren vier von 108 Kindern und Jugendlichen, die am Mittwoch Bundeskanzlerin Angela Merkel im Bundeskanzleramt besuchten. Aus den 27 Diözesen Deutschlands waren die Buben und Mädchen angereist. Stellvertretend für jedes Bistum wurde eine Gruppe bestehend aus vier Sternsingern und einer Begleitperson ausgelost. Für das Bistum Regensburg wurden die Ministranten aus der Pfarrei St. Dionysius aus Neunkirchen aus dem Lostopf gezogen.

"Immer schön lächeln"


Schon bei der Generalprobe am Dienstagabend herrscht Aufregung. Die Verantwortlichen des Kindermissionswerks und des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) erklären den Kindern ganz genau, wer wann wo zu stehen hat. „Immer schön lächeln“, geben sie den Sternsingern als Tipp. „Da stehen dann wahnsinnig viele Journalisten, die ein Foto von euch machen möchten.“ Die Organisatoren sollten Recht behalten.

„Egal ob ihr morgen in der Früh Hunger habt oder nicht – esst und trinkt auf jeden Fall was“, sagen sie. Es sei nämlich schon vorgekommen, dass dem ein oder anderen Teilnehmer schlecht geworden und dann umgekippt sei. Ob es klug war, den Kindern das zu erzählen – auf jeden Fall wird es nach dieser Aussage still im Keller des St.-Michael-Heims, in dem die Buben und Mädchen untergebracht sind.

Vier "Auserwählte"

Den fünf Neunkirchenern ist die Aufregung kaum anzumerken. Schon während der sechststündigen Zugfahrt geben sich Nico, Julia, Thomas und Katharina relativ gelassen. Die lange Zeit vertreiben sich die vier Ministranten mit Karten spielen, „Mensch ärgere dich nicht“ und lernen - die 16-jährige Julia besucht die 11. Klasse am Augustinus-Gymnasium und muss sich auf ihre Klausuren am Freitag und Montag vorbereiten. Das Handy ist außerdem ein wichtiger Begleiter: daheim anrufen, Spiele ausprobieren und zur Sicherheit noch einmal die Lieder anhören, die die Kinder und Jugendlichen im Bundeskanzleramt singen dürfen.

Begleiterin Maria Gabler, die die Sternsinger auch in der Pfarrei betreut, hat für St. Dionysius an dem Gewinnspiel des Kindermissionswerks teilgenommen. Mit den anderen Teilnehmern aus der Diözese Regensburg kamen die Neunkirchener in einen Lostopf.

Dann ging alles ganz schnell: der Anruf, dass die Pfarrei nach Berlin zur Bundeskanzlerin fahren darf; dann die Auslosung, wer von den insgesamt 33 Sternsingern die Reise antreten darf. „So war das am fairsten“, erklärt Maria Gabler. Die vier „Auserwählten“ freuen sich, dass sie die Ehre haben, ins Bundeskanzleramt zu fahren.

Um halb sieben ging der Wecker


Nach der Generalprobe sind Nico, Katharina, Thomas und Julia froh, ins Bett zu kommen. Nachtruhe ist aber dennoch noch lange nicht. „Wir haben noch ein bisschen ,Uno‘ mit unserem Zimmerkollegen gespielt, daheim angerufen und noch geplaudert“, erzählen Thomas und Nico. „Um viertel eins sind wir dann eingeschlafen und um halb sieben ging schon wieder der Wecker.“

Julia und Katharina teilen sich das Zimmer mit zwei Mädchen aus Erfurt. „Ich hab noch bis zehn gelernt und dann haben wir noch geratscht“, sagt Julia.

Singen ohne Notenblätter

Drei Lieder müssen die Sternsinger im Bundeskanzleramt singen – auswendig. Notenblätter sind nicht erlaubt. Weitere Vorgabe: Die schönsten Sternsinger-Kostüme sollen die Begleiter aussuchen, selbst in gedeckten Farben gekleidet sein und die Kinder auf den Auftritt vorbereiten. „Da hatte ich in den letzten Tagen viel zu tun“, erzählt Maria Gabler.

„Wir waren ja in Neunkirchen und den umliegenden Gebieten auch noch zwei Tage als Sternsinger unterwegs.“ Doch sie kann am Dienstagmorgen beruhigt in den Zug nach Nürnberg steigen – vergessen hat sie nichts.

Mit dem Polizeibus zur Kanzlerin

Verschlafen sehen die vier am Mittwochmorgen nicht aus. Nach dem Frühstück heißt es dann Koffer packen und ab in den Bus der Bundespolizei. „Das war total super“, sagt Thomas, „mit dem Bus der Polizei zur Bundeskanzlerin zu fahren.“

Um neun Uhr ist gemeinsamer Gottesdienst in der Kirche St. Ansgar. „Der war schön“ erzählt die neunjährige Katharina. Sie ist eine der jüngsten Teilnehmer in Berlin. Sie und Julia sind relativ „cool“, wie sie sagen. „Wir waren nicht aufgeregt.“ Und Julia fügt hinzu: „Angela Merkel ist auch nur ein ganz normaler Mensch.“

Strenge Kontrollen auch für die Heiligen Drei Könige

Die Bundeskanzlerin ist den ganzen Rummel um sich gewöhnt. Sie begrüßt die Sternsinger ja schon ein paar Jahre. Es war bereits die 57. Aktion des Kindermissionswerks und des BDKJ. Die Organisatoren sind da schon alte Hasen und ziemlich gelassen, was den Ablauf des Empfangs betrifft.

Nach der Kirche werden die Kinder und Jugendlichen mit ihren Begleitern weiter mit dem Polizeibus zum Bundeskanzleramt gefahren. Am Eingang müssen auch sie sich der strengen Kontrolle unterziehen – Heilige Drei Könige hin oder her. „Das war wie am Flughafen“, erzählt Julia. „Wir mussten unsere Jacken ausziehen und unsere Taschen abgeben.“

Mit roten Wangen, Krone und Stern

Der Weg zum Infosaal, in dem sich die Buben und Mädchen ihre Sternsinger-Gewänder anziehen, führt vorbei an den Journalisten, die sich positioniert haben. Der Satz der Organisatoren von der Generalprobe fällt den Kindern wieder ein. Mit roten Wangen und bepackt mit Krone, Gewand und Stern laufen sie an den Kameras vorbei. In dem Raum ist alles genau beschriftet: Jedes Bistum hat seinen festen Platz.

Die Aufregung steigt: Nur noch wenige Minuten, dann werden sie vor der Bundeskanzlerin stehen. Kronen und Umhänge richten, den Stern in die Hand nehmen – dann heißt es auch schon: Aufstellung. In der Zwischenzeit positionieren sich Pfarrer Simon Rapp, Bundespräses des BDKJ, Prälat Klaus Krämer, Präsident des Kindermissionswerks, die Kanzlerin sowie die Staatsminister Helge Braun (Koordinator für Bürokratieabbau), Monika Grütters (Kultur und Medien) sowie Aydan Özoguz (Migration, Flüchtlinge und Integration).

"Hoffentlich stolpere ich nicht"

Nach dem Alphabet stehen nun die Gruppen bereit. Den Anfang macht das Bistum Aachen. Vor den Regensburgern sind insgesamt 21 Gruppen an der Reihe. „Mit jeder Gruppe, die aufgerufen wurde, sind wir immer weiter vorgerückt“, beschreibt der 10-jährige Nico die Minuten vor der Begegnung mit der Bundeskanzlerin. „Ich hab mir gedacht: Hoffentlich stolpere ich nicht.“ „Die Gewänder sind ziemlich lang“, bestätigt Thomas.

Dann ist es soweit: Der Moderator kündigt das Bistum Regensburg mit der Gruppe St. Dionysius aus Neunkirchen an. Die vier und Maria Gabler gehen los, den Blick auf Angela Merkel gerichtet. Das Lächeln setzt automatisch ein – den Rat der Organisatoren hätten sie gar nicht gebraucht. Als erstes streckt Aydan Özoguz Katharina die Hand entgegen und begrüßt die neunjährige. Dann ist die Bundeskanzlerin an der Reihe.

"Eine Ehre, der Bundeskanzlerin die Hand zu schütteln"

Angela Merkel beugt sich zu der Grundschülerin hinunter und streichelt ihr über den linken Arm. „Sie hat sich bedankt und mich begrüßt“, erzählt Katharina. Auch Nico, Thomas und Julia schüttelt sie die Hand, bedankt sich bei ihnen und begrüßt sie. „Sie ist wirklich nett“, sagt Julia. „Das ist wirklich eine Ehre, der Bundeskanzlerin die Hand zu schütteln“, freut sich Thomas.

Die Kameras klicken los, die Politiker setzen ihr schönstes Lächeln auf, nach ein paar Sekunden ist es auch schon wieder vorbei. „Das ging alles so schnell“, erinnert sich Julia bei der Heimreise. Ein paar Kameraklicks später gesellen sich die vier Neunkirchener Sternsinger zu den anderen Gruppen auf die Tribüne. Alles ist glatt gegangen, keiner ist gestolpert.

Nach dem letzten Bistum der nächste Fotomarathon: Die Politiker stellen sich zu den Kindern und Jugendlichen, Katharina und Nico haben einen guten Platz erwischt: Sie stehen rechts neben der Bundeskanzlerin.

"Warm ums Herz"

Schlag auf Schlag geht es weiter: Die 108 Kinder und Jugendlichen stimmen „Stern über Bethlehem an“, Pfarrer Rapp hält eine kurze Rede und Angela Merkel bedankt sich in ihren Worten bei den Buben und Mädchen für ihr Engagement. „Wenn man euch sieht, wird einem wirklich warm ums Herz“, sagt sie. Dann übergibt sie eine Spende, die sie für eine Einrichtung in Äthiopien vorgesehen hat.

Es geht weiter zur Nordtreppe, die Sternsinger aus Mainz sprechen den Segensspruch, ein letztes Lied und schon ist der Empfang wieder vorbei, die Bundeskanzlerin verabschiedet sich und ist auch schon wieder weg.

Den Buben und Mädchen ist die Erleichterung deutlich anzumerken. Die vier müssen sich noch ein paar Fragen der Journalisten stellen, dann dürfen sie endlich ihr wohlverdientes Mittagessen in der Kantine des Bundeskanzleramts genießen. Es gibt Spaghetti – „zum wiederholten Male“, lacht Maria Gabler. Bereits zu Hause in Neunkirchen und am Dienstagabend kamen Spaghetti auf den Tisch.

Ein bisschen Sightseeing muss dann doch noch sein: Die Neunkirchener besuchen das Brandenburger Tor und das Reichstagsgebäude. Mehr ist nicht drin, die Zeit zu knapp, der Zug wartet. Müde und erschöpft nach der kurzen Nacht und der Aufregung fallen die vier in ihre Sitze. Schon kurz nach der Abfahrt fallen Nico, Thomas und Julia die Augen zu. Katharina hält sich wacker. Die Grundschülerin hat am nächsten Tag in der Schule viel zu erzählen.