Vom Rand in die Mitte Europas

Erinnerungsgeschenke zum 25. Jubiläum der Grenzöffnung überreichte Bürgermeister Milan Vísek (links) an (von links) Hana Moraková, Rosalinde Schöner und Bürgermeister Josef Schmidkonz. Veronika Proropová (rechts), ehemalige Vorsteherin des Zollamts Broumov, übersetzte. Bild: wg

Die Jüngeren können sich gar nicht mehr vorstellen, wie das war vor der Grenzöffnung. Seit 25 Jahren ist der Eiserne Vorhang Vergangenheit: Zeit, sich zu erinnern und mit den neuen Freunden zu feiern.

"25 Jahre sind vergangen, als wir ohne Visum die andere Seite anschauen durften. Heute trennen uns nur sieben Minuten vom sieben Kilometer entfernten Mähring." Bürgermeister Milan Vísek aus Broumov erinnert sich noch gut an die Zeiten vor 1990. "Damals mussten wir noch mindestens 70 Kilometer überwinden und haben mit Kontrolle an der Grenze zwei bis drei Stunden im Auto verbracht", sagte der Gastgeber beim Freundschaftstreffen zum Jubiläum im Gemeindehaus.

Auch nach 1990, "als wir beschlossen, uns zu besuchen", war alles noch nicht so einfach wie heute. Der Grenzübergang wurde erst nur für Fußgänger und Radfahrer geöffnet, später für Autos - aber immer mit Kontrollen. Durch den Beitritt zur EU 2004 änderte sich nicht viel. Erst nach Gültigkeit des Schengener Abkommens 2007 fielen die Grenzkontrollen, erinnerte sich der Bürgermeister.

Mit der Zeit wurden die gemeinsamen Kontakte fester, es entstanden viele Freundschaften, die bis heute andauern. Milan Vísek wünschte sich, dass die junge Generation die Treffen beibehält und weiter ausbaut. Als Andenken an das 25. Jubiläum der Grenzöffnung überreichte der Bürgermeister kleine Geschenke an einige Persönlichkeiten. Bürgermeister Josef Schmidkonz erhielt eine Erinnerungsplakette mit Worten des Dankes für die gute Zusammenarbeit. Rosa Schöner, die sich sehr viel um gemeinsame Treffen gekümmert hat, erhielt ebenfalls ein Geschenk. Auch auf tschechischer Seite dankte der Bürgermeister einigen Persönlichkeiten, die das Bürgerforum und später die deutsch-tschechischen Treffen organisiert hatten.

Bürgermeister Josef Schmidkonz freute sich, dass man gemeinsam "25 Jahre Grenzöffnung" feiern kann. Zur Feier waren seine beiden Stellvertreter Walter Frank und Franz Schöner sowie eine große Anzahl an Markträten und Mähringer Bürgern gekommen. "25 Jahre ist es her, dass dieser schreckliche Zaun - der Eiserne Vorhang - zwischen uns fiel. Wir konnten es damals nicht glauben, welche Menschenmassen zur Probeöffnung am 30. April und 1. Mai in beide Richtungen wanderten!" Solche Festtage seien bis heute nicht vergessen.

Die Grenzöffnung führte zu vielen Kontakten. Als Beispiele nannte er die Partnerschaft der Kindergärten und Vereine, aber auch viele private Freundschaften. "Wir leben in der Mitte Europas. Trotzdem haben wir zwei verschiedene Länder und müssen versuchen, die Lage für uns zu nutzen." Viele grenzüberschreitenden Projekte seien schon verwirklicht worden, finanzielle Unterstützung sei auf beiden Seiten notwendig.

"Ich hoffe, dass aus dieser Freundschaft noch 25 weitere Jahre und noch viele mehr werden", sagte der Mähringer Bürgermeister. Als Gastgeschenk überreichte er ein Kaffeeservice mit den beiden Wappen auf den Kuchentellern und als persönliches Geschenk für den Bürgermeisterkollegen eine Uhr aus Glas. "Jahrelang waren Mähring und Broumov an der Grenze, am Rande - vor 25 Jahren waren wir auf einmal in der Mitte Europas", sagte Senator Jaromir Kohlícek. Er freute sich, dass das nun schon seit 25 Jahren so ist und wünschte sich, dass es so bleibt.
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