Von Eisenerz bis Radarstation

Der Ort Rückersrieth am Nordhang des Eisenbergs hat eine interessante Geschichte. Ende Juni feiert die Feuerwehr ihr 125-jähriges Bestehen. Bild: gi

Rückersrieth hat schon viel erlebt. Es gab dort einen Nato-Stützpunkt. Heute ist der Ort vor allem Wetterfröschen bekannt.

Die Feuerwehr feiert ihr 125-jähriges Bestehen. Grund genug, auf die fast 750-jährige Geschichte des Orts zurückblicken. Er liegt rund zwei Kilometer südwestlich von Tröbes am Nordhang des Eisenberges und gehörte ursprünglich zur Burg Murach, später zur Propstei Böhmischbruck und dann zum Pflegeamt Treswitz. Rückersrieth war von 1821 bis 1939 eine selbstständige Gemeinde, wurde anschließend in die Gemeinde Tröbes und 1972 in den Markt Moosbach eingegliedert. Heute hat der Ort 20 Anwesen mit rund 80 Einwohnern. Namen der Bevölkerung aus dem 18. Jahrhundert sind auch heute noch in Rückersrieth vorzufinden, wie etwa Bauer, Hammerl, Hummer, Kölbl und Seibert.

Eisenerz auf Ochsenkarren

Die Geschichte ist eng mit dem Eisenberg verbunden. Mit 771 Metern ist er die höchste Erhebung in der Gemeinde Moosbach. Früher hieß der Berg auch "Am Eisenberg", "Romersberg" oder "Radmannsberg". Im 14. Jahrhundert wurde Eisenerz abgebaut und auf Ochsenkarren nach Sulzbach transportiert. Das über 1000 Hektar große Waldgebiet um den Eisenberg gehörte früher zum gemeindefreien Gebiet "Tännesberger Wald". Es wurde 1986 in die Gemeinden Moosbach und Tännesberg eingegliedert.

Im Jahr 1977 kam Leben in das verträumte landwirtschaftliche Dörflein und auf den Berg. Rückersrieth wurde zur "Garnisonstadt". Während des Kalten Krieges errichtete der Tieffliegermeldedienst der Luftwaffe im Auftrag der Nato eine Einsatzstellung mit Radargeräten. Sie war rund um die Uhr mit mindestens fünf Soldaten besetzt, die jeden Flug in Grenznähe der Tschechoslowakei verfolgten. Der Fall des eisernen Vorhangs zu Beginn der neunziger Jahre machte die Radarstation überflüssig. Im August 1991 verließ der letzte Soldat den Eisenberg.

Moderne Infrastruktur

Auch in Rückersrieth wurde es ruhiger. Die Gemeinde Moosbach erwarb das Gelände. Der Versuch, es gastronomisch und touristisch zu nutzen, misslang. 1996 konnte ein Teil des Areals an den Deutschen Wetterdienst zur Errichtung einer Wetterradaranlage mit einem 21 Meter hohen Turm verpachtet werden. In Zusammenarbeit mit den europäischen Nachbarstaaten werden auf dem Eisberg die Daten für die täglichen Wettervorhersagen erstellt. Der ehemalige Soldatenwohntrakt wird seit 2003 von CB-Funkern als Clubheim genutzt.

Rückersrieth hat die Zeichen der Zeit erkannt und ist heute ein Dorf mit guter Infrastruktur. Die Wasserversorgung gilt als Modernste weit und breit. Auch die Abwasserbeseitigung zur zentralen Kläranlage nach Burgtreswitz ist vorbildlich. Seit 1978 ziert den Dorfplatz eine neue Kapelle, die hauptsächlich in Eigenregie der Dorfbewohner und mithilfe von Spenden erstellt wurde. Ende der siebziger Jahre errichteten sich die Frauen und Männer der Feuerwehr Rückersrieth ein modernes Gerätehaus mit Schulungsraum. (Hintergrund)
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