Vor Typisierung für erkrankten Robin (6): Weidener Stammzellenspender über seine Erfahrungen
Ein bisschen Zeit geopfert, ein Leben gerettet

Matthias Fellner. Bild: hfz/DKMS
Weiden. (fku) Eines ist Matthias Fellner am Ende des Gesprächs dann doch noch wichtig: Er sei zu dem Interview bereit, "weil ich helfen will". Dabei, dass am Sonntag, 14. Juni, möglichst viele kommen zur Typisierung für den an Blutkrebs erkrankten sechsjährigen Robin, der denselben Kindergarten besucht wie Fellners Tochter. Worum dem Familienvater aus Weiden aber nicht geht: "Ich will nicht als Held rüberkommen." Fraglich, ob sich dieser zweite Wunsch erfüllt.

Denn etwas unbestreitbar Großes hat der 40-Jährige nunmal bewirkt: Er hat sich vor knapp zehn Jahren bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei registrieren lassen. 2013 kam er dann tatsächlich als Stammzellenspender für einen todkranken Australier infrage. Ihm wurden, wie bei 80 Prozent der Spender, Zellen aus dem Blut entnommen: Wenige Stunden auf einem Stuhl sitzen, dabei einen Film anschauen, fertig - so erzählt es Fellner. So einfach das klingt, für einen andern war es die Chance auf ein neues Leben.

Herr Fellner, sind Sie ein bisschen stolz auf sich?

Matthias Fellner: Eigentlich nicht. Glücklich - das wäre das bessere Wort. Weil das für mich ja kein Aufwand war. Und weil es dabei nicht um mich geht, sondern um jemanden, der todkrank war.

Warum haben Sie sich überhaupt registrieren lassen?

Fellner: Das war Zufall. Meine Frau hat damals von einer Typisierungsaktion gehört, und dann bin ich einfach mit.

Haben Sie das wieder bereut, als Sie erfahren haben, dass sie potenzieller Spender sind?

Fellner: Nein, ab da fühlt man sich eher mitverantwortlich. Im positiven Sinn. Weil Sie in Ihrem Blut ein Heilmittel für jemanden spazieren tragen. Und Sie verlieren bei der Spende ja nichts, außer ein bisschen Zeit.

Die Spende selbst, war die schwer?

Fellner: Überhaupt nicht. Bei mir war das im Grunde wie eine Blutwäsche - drei Stunden hinsetzen, und fertig. Die Nebenwirkungen waren auch harmlos, jede Grippe nimmt Sie mehr mit. Im Grunde war das sogar auch positiv für mich: Sie kriegen ja vor der Spende eine ausführliche Untersuchung, ein Gesundheitscheck sozusagen als Extra nebenbei.

Hatten Sie schon Kontakt mit dem Empfänger?

Fellner: Nicht direkt, ich wollte bei ihm keine Schuldgefühle oder Dankverpflichtung hochkommen lassen. Ich hab mich nur erkundigt, wie's ihm geht.

Wie denn?

Fellner: Immer besser. Und wenn man das hört, macht das auch einen selbst glücklich und gerührt. Als Familienvater muss ich sagen, das kommt am ehesten noch der Geburt eines Kindes gleich.

Aus Ihrer Erfahrung: Wie würden sie andere überreden, sich am Sonntag registrieren zu lassen?

Fellner: Ich würde sagen: Das sollte jeder gesunde Bürger machen. Keiner braucht Angst zu haben. Das kostet auch nichts, man muss keine Opfer bringen. Und trotzdem kann man ein Leben damit retten.
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