Vorläufiges Insolvenzverfahren nähert sich dem Ende
Luitpoldhütte am Scheideweg

Der Betrieb in der Luitpoldhütte geht weiter. Allerdings mit 115 der insgesamt knapp 500 Beschäftigten weniger als bisher. Gestern Nachmittag gab es zeitgleich zwei parallel laufende Versammlungen: für die Verbliebenen im Werk selbst, für die Ausscheidenden in der Malteser-Gaststätte. Bild: Bernd Georgi
Amberg. (ben) Bei der Luitpoldhütte (LH) gibt es keine Kündigungen. Und trotzdem müssen 115 Menschen gehen. Ihnen wurde das Angebot unterbreitet, sich in einer Transfergesellschaft weiterzuqualifizieren und nach einem Job Ausschau zu halten. Nahezu alle der knapp 500 Beschäftigten hatten sich Montagvormittag zur Betriebsversammlung im Werk eingefunden.

"Es ist mucksmäuschenstill, jeder schaut dir ins Gesicht und du stehst auf der Bühne und hast einen Kloß im Hals" - mit einem Satz schilderte Betriebsratsvorsitzender Christian Zwack die "fast schon schizophrene Situation" in der Halle, wie er sie zunächst durchlebt hat. Auf der anderen Seite die große Kollegenschar, für die es ebenfalls schwere, schicksalsträchtige Minuten waren.

Nicht insolvenzbedingt

Was danach dort gesprochen wurde, fassten hinterher der vorläufige Insolvenzverwalter Dr. Hubert Ampferl, der Amberger IG-Metall-Bevollmächtigte Horst Ott und Betriebsratsvorsitzender Christian Zwack gegenüber Medienvertretern im Blauen Salon der LH zusammen.

Zunächst legte Jurist Ampferl dar, dass die Phase des vorläufigen Insolvenzverfahrens sich zum 30. November ihrem Ende nähere. Danach werde plangemäß das Insolvenzverfahren eröffnet, und der erste Restrukturierungsschritt bringe den Abbau der erwähnten 115 Arbeitsplätze mit sich. Dies sei aber nicht insolvenzbedingt, sondern hänge damit zusammen, dass die LH in den vergangenen zwei bis drei Jahren 40 Prozent ihres Auftragsvolumens eingebüßt habe. "Diesen Schritt wollten wir so sozialverträglich wie möglich machen", fuhr Ampferl fort.

Deshalb sei eine Beschäftigungsgesellschaft gegründet worden. In sie einzutreten, werde den 115 Betroffenen angeboten. Dies gilt ab sofort und wird mit einer sechsmonatigen Laufzeit verknüpft, in der die Mitarbeiter 80 Prozent ihres letzten Nettogehalts vor der Kurzarbeitsphase erhalten. Der Personalabbau im Werk sei unvermeidbar gewesen, beschrieb der Rechtsanwalt deutlich die Lage und setzte einen Seitenhieb in Richtung des vorherigen russischen Hauptgesellschafters: "Hätte der früher anders reagiert, wäre die Insolvenz vermeidbar gewesen."

In den zurückliegenden Wochen sei man national und international auf Investorensuche gewesen. Durchaus mit Erfolg: "Es hat sich ein kleiner Kreis gefunden." Die einzelnen Interessenten hätten schon Angebote unterbreitet. Diese gelte es jetzt zu prüfen, schilderte Ampferl weiter und meinte, dass man noch vor Weihnacht zu einer Entscheidung gelangen möchte: "Zum 1. Januar wollen wir den neuen Betreiber präsentieren", sprach er Klartext. Allerdings sei der Personalabbau nicht der einzige Einschnitt, weitere - auch im internen Ablauf - würden folgen.

Konzept muss stimmen

Dass die IG Metall bei der Restrukturierung befristet harte Maßnahmen mittragen werde, ließ Horst Ott erkennen. Voraussetzung sei, dass das Gesamtkonzept überzeuge. Wesentlich sei jetzt, dass die Belegschaft weiter an die Stärke der Firma glaube. Schließlich müssten in den nächsten Jahren Millionen in die Gießerei investiert werden. Und parallel dazu brauche man die Menschen, die mitziehen.

Diese hatte Betriebsratsvorsitzender Christian Zwack am Vormittag vor sich gesehen: "Es gab keine lautstarken Proteste, keine Buh- oder Zwischenrufe. Die Leute waren so diszipliniert, wie ich meine Hütterer-Mannschaft kenne. Das war echt Spitze. Da kann man froh sein, solche Leute zu haben."
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