Vorstand tritt zurück

Die Rücktritte waren wohl unausweichlich. Zu viel Wirbel hatte mitten in der Flüchtlingskrise das "Neger"-Zitat eines CSU-Mannes aus Zorneding an die Adresse des katholischen Pfarrers ausgelöst.

Nach fremdenfeindlichen und rassistischen Äußerungen sind die Vorsitzende der CSU im oberbayerischen Zorneding (Kreis Ebersberg) sowie ihr Stellvertreter von ihren Ämtern zurückgetreten. Sylvia Boher erklärte am Dienstag: "Ich mache den Weg für einen Neuanfang frei, um weiteren Schaden für die CSU, der durch die dauerhafte Presseberichterstattung der letzten beiden Wochen entstanden ist, abzuwenden." Vize Johann Haindl tritt auch als Gemeinderat zurück. Die sofortigen Rücktritte seien unausweichlich für einen notwendigen Neuanfang an der örtlichen CSU-Spitze gewesen, sagte der CSU-Kreisvorsitzende Thomas Huber.

Die CSU stehe für Humanität und Solidarität gegenüber denen, die aus Kriegsgebieten flüchten müssen und zu uns kommen und Hilfe benötigen. "Die CSU ist aber auch für die Begrenzung der Zuwanderung und für eine rasche Integration der hier lebenden schutzbedürftigen Flüchtlinge mit hoher Bleibeperspektive", so der Kreisvorsitzende nach einer Krisensitzung des Ortsvorstandes. "Beides muss man betonen."

Boher hatte im örtlichen Partei-Mitteilungsblatt "Zorneding Report" geschrieben, Bayern werde von Flüchtlingen regelrecht überrannt. Es handle sich um eine Invasion. Migranten aus dem afrikanischen Eritrea nannte sie Militärdienstflüchtlinge. Haindl bezeichnete den aus dem Kongo stammenden katholischen Pfarrer Zornedings als "Neger", nachdem der Pfarrgemeinderat die Äußerungen Bohers missbilligt hatte.

Bis zur nächsten Hauptversammlung leitet die weitere stellvertretende Ortsvorsitzende Jutta Sirotek kommissarisch die Zornedinger CSU. Sie kündigte an, zeitnah das Gespräch mit Pfarrer, Pfarrgemeinderat und den ehrenamtlichen Asylhelfern zu suchen. Ihr Ortsverband stehe für Toleranz und lehne Rassismus ab.
Weitere Beiträge zu den Themen: November 2015 (9608)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.