VW-Chef leistet Abbitte und will weitermachen

Ich entschuldige mich in aller Form bei unseren Kunden, bei den Behörden und der gesamten Öffentlichkeit für das Fehlverhalten.

Im Abgas-Skandal bei Volkswagen bittet der Chef öffentlich um Entschuldigung: Martin Winterkorn will trotz aller Kritik an seinem Job festhalten. Weltweit sind elf Millionen Wagen betroffen, der Konzern bildet Milliarden-Rückstellungen. Die Bundesregierung schickt Experten ins Haus.

Im Abgas-Skandal bei Volkswagen will Vorstandschef Martin Winterkorn durchhalten - die Affäre um manipulierte Testwerte bei Dieselwagen trifft den Konzern aber ins Mark. Der VW-Chef bat am Dienstag in einem Videoauftritt öffentlich um Entschuldigung für die neue Krise bei Europas größtem Autobauer. Er versprach rasche und transparente Aufklärung und Wiedergutmachung. Vorsichtshalber musste VW aber bereits eine Milliarden-Rückstellung bilden und die Gewinnziele für das laufende Geschäftsjahr kassieren.

"Es tut mir unendlich leid, dass wir dieses Vertrauen enttäuscht haben. Ich entschuldige mich in aller Form bei unseren Kunden, bei den Behörden und der gesamten Öffentlichkeit für das Fehlverhalten", betonte Winterkorn. Es wäre falsch, wenn jetzt "wegen der schlimmen Fehler einiger weniger" die Arbeit von 600 000 Mitarbeitern unter Generalverdacht geraten würde. "Die Unregelmäßigkeiten bei Dieselmotoren unseres Konzerns widersprechen allem, für was Volkswagen steht", sagte der 68-Jährige, über dessen Rücktritt es bereits Spekulationen in Medienberichten gegeben hatte. Die Wolfsburger hatten zuvor zugegeben, dass es weltweit Unregelmäßigkeiten bei rund elf Millionen Fahrzeugen gibt. Wegen des Skandals muss Volkswagen Milliarden zurücklegen. Auch den für 2015 angepeilten Gewinn dürften die Wolfsburger nicht halten können. Bereits im dritten Quartal würden etwa 6,5 Milliarden Euro zurückgestellt, hieß es. An der Frankfurter Börse brach der Aktienkurs daraufhin erneut ein.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) setzt unterdessen eine Untersuchungskommission ein. Sie wird unter der Leitung von Verkehrs-Staatssekretär Michael Odenwald noch in dieser Woche nach Wolfsburg reisen, sagte der Minister in Berlin. Auch die EU-Kommission nimmt den VW-Skandal ernst und will mit den 28 Mitgliedstaaten mögliche Schritte beraten. Frankreichs Regierung forderte eine Untersuchung auf EU-Ebene. Die in harter Konkurrenz zu den deutschen Autokonzernen stehenden französischen Hersteller unterstützten den Vorstoß. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schaltete sich ebenfalls ein und forderte "angesichts der schwierigen Lage" eine rasche und volle Aufklärung. Winterkorn hatte zuvor eine externe Untersuchung und rasche Aufklärung zugesagt. (Seite 19)
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