VW-Chef Winterkorn wirft das Handtuch

Zeit zu gehen: Martin Winterkorn tritt in der Krise bei VW als Vorstandschef ab. Archivbild: dpa

Im VW-Skandal um manipulierte Abgaswerte gibt Konzernchef Winterkorn auf. Er selbst will nichts von den Machenschaften gewusst haben. Der Konzern wird Strafanzeige gegen die Schuldigen erstatten.

Die schwere Vertrauenskrise nach dem Abgas-Skandal in den USA hat VW-Chef Martin Winterkorn zum Rücktritt gezwungen. Nach einer Krisensitzung der obersten Aufseher in Wolfsburg teilte der Schwabe in einer Erklärung mit: "Ich bin bestürzt über das, was in den vergangenen Tagen geschehen ist. Vor allem bin ich fassungslos, dass Verfehlungen dieser Tragweite im Volkswagen-Konzern möglich waren." Als Vorstandschef übernehme er die Verantwortung. Er habe daher den Aufsichtsrat um seine Ablösung gebeten: "Ich tue dies im Interesse des Unternehmens, obwohl ich mir keines Fehlverhaltens bewusst bin."

Der Interimsvorsitzende des Präsidiums, Berthold Huber, drückte Betroffenheit über den Skandal um manipulierte Messungen beim Schadstoffausstoß von Dieselmotoren aus, der zu einem schweren Vertrauensverlust geführt habe. Das Präsidium sei entschlossen, "einen glaubwürdigen Neuanfang" zu machen. Winterkorn habe keine Kenntnis von den Machenschaften gehabt, aber die Verantwortung übernommen. Vorschläge zur personellen Neubesetzung würden am Freitag in der Aufsichtsratsitzung besprochen. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) kündigte in seiner Eigenschaft als VW-Aufseher gegen die Verantwortlichen strafrechtliche Schritte an. "Wir werden durch das Unternehmen auch Strafanzeige erstatten", sagte der SPD-Politiker. Ein Sonderausschuss werde die Aufklärung vorantreiben und sich dabei auf externe Berater stützen.

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig gab unterdessen den Beginn von Vorermittlungen gegen VW bekannt. Mögliche rechtliche Schritte gegen verantwortliche Mitarbeiter der Volkswagen AG stünden dabei im Mittelpunkt, hieß es. Eine von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) eingesetzte Kommission hat mittlerweile in Wolfsburg mit der Prüfung begonnen, ob elf Millionen Dieselautos deutschen und europäischen Regeln entsprochen haben.

Noch unklar sind die Umstände einer möglichen Rückruf-Aktion. "Soweit sind wir noch nicht, wir kennen ja erst seit gestern die Zahl", sagte ein Konzernsprecher. Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter forderte VW auf, alle Autos zurückzurufen und umzurüsten, die mit der Manipulations-Software ausgerüstet sind. (Seite 17)
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