"WAA-Erinnerungspfad" abgelehnt
Zum Fall fürs Museum erklärt

Das Hüttendorf, das um die Jahreswende 1985/86 existierte, gehört zu den Symbolen für den Widerstand gegen die atomare Wiederaufarbeitungsanlage bei Wackersdorf. Ein "Erinnerungspfad", so meinte die SPD, sollte für die Nachwelt dokumentieren, wo sich solche Brennpunkte auf dem einstigen WAA-Gelände befanden. Doch dafür ergab sich keine politische Mehrheit. Archiv-Bild: Götz
Schwandorf/Wackersdorf. (am) Den Antrag auf Einrichtung eines WAA-Erinnerungspfades hatte die SPD-Kreistagsfraktion gestellt. In der Kreisausschusssitzung entwickelte sich darüber nun eine konträr verlaufende Diskussion.

SPD-Sprecherin Evi Thanheiser verdeutlichte: "Die Stätten des WAA-Widerstands gehören zur Geschichte des Landkreises". Erst der WAA-Baustopp habe äußerst positive Folgen für den Kreis ausgelöst, das solle und dürfe niemand vergessen. Es gehe den Sozialdemokraten darum, markante Punkte entlang des einstigen Bauzauns und in der Landschaft, darunter auch das Franziskus-Marterl, zu kennzeichnen. Es solle geprüft werden, ob ein solcher Erinnerungspfad über das Leader-Programm der EU bezuschusst werden könnte.

Firmen dagegen

Bei Landrat Thomas Ebeling (CSU) hielt sich die Begeisterung in Grenzen. Er zeigte anhand einer Skizze, dass die betreffenden Grundstücke der Gemeinde Wackersdorf, den bayerischen Staatsforsten und einer angesiedelten Firma gehören, der Landkreis da also keine Handhabe besitze. Als nachvollziehbar stufte er es ein, dass die Unternehmen BMW und Sennebogen "keine geführten Wanderungen entlang ihrer Firmengelände haben wollen". Sie hatten sich in eingeholten Stellungnahmen gegen den Pfad ausgesprochen. Die Firma Gerresheimer wollte sich zwar neutral verhalten, doch aus ihrem Schreiben las der Landrat auch keine Begeisterung heraus.

Für die Antragsteller präzisierte Evi Thanheiser: Es gehe überhaupt nicht darum, in Firmengrundstücke oder Produktionsabläufe einzugreifen, sondern nur darum, die Erinnerung direkt vor Ort wach zu halten. Es solle kein Wanderweg im herkömmlichen Sinn gebaut werden, lediglich die Aufstellung von Tafeln erfolgen.

Die CSU hatte mit einem "Gegenantrag" reagiert und den Themenkomplex als einen Fall für das neue "Museum der bayerischen Geschichte" in Regensburg angesehen. Sie sprach sich ebenso wie die Freien Wähler dagegen aus, gegen den Willen tangierter Firmen einen "WAA-Erinnerungspfad" zu installieren. Peter Neumeier (Junge Wähler) und Martin Prey (ÖDP) wollten eine weitere Prüfung des SPD-Antrags befürworten.

Der Landrat zeigte Verständnis für BMW und Sennebogen. Wenn am Rande der Werksgelände Tafeln da stünden, bedeute das ja auch, dass Menschen dorthin kommen und darauf schauen. Für Ebeling stand fest: Das Thema WAA gehört ins Museum. Bei Evi Thanheiser stieß es auf Kritik, dass der Wackersdorfer Bürgermeister und CSU-Kreisrat Thomas Falter von sich aus die Firmen eingeschaltet habe. Sie wisse auch nicht, warum sich Wackersdorf gegen das Erinnern wehre, denn: "Der WAA-Baustopp war doch die Grundlage für die heutige Erfolgsgeschichte". Landrat Ebeling entgegnete: Wackersdorf wehre sich nicht, es habe die WAA ja auch ins Heimatmuseum aufgenommen.

Schließlich lehnte der Ausschuss den Erinnerungspfad mehrheitlich ab und befürwortete einstimmig die Aufnahme des ganzen Themas WAA - politische Überlegungen, Gründe des Baus, verschiedene Seiten des Widerstands, Beendigung der Planungen und das daraus entstandene "Wunder von Wackersdorf" - im neuen Geschichtsmuseum in Regensburg. Laut Antrag der CSU soll sich die Kreisverwaltung dafür einsetzen, dass es in der dortigen Konzeption berücksichtigt wird.
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