Wald - Grundlage des Lebens

Der Wald, Herzstück der Natur, ist ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor. Energisch wird der Umbau vorangetrieben, denn die Luftverpestung macht ihm zu schaffen. Mischwald heißt das Geheimnis. Und - so eine neue Wortschöpfung - Klima-tolerant soll er sein.

"Wir wollen einen Klima-toleranten Mischwald", formulierte Forstamtmann Stefan Stangl, um die Forderung des bayerischen Staates auf den Punkt zu bringen. Der hat neue waldbauliche Förderrichtlinien erlassen, die zum 1. August in Kraft traten. Der Auftrag der Waldbauern ist es, sie in die Realität umzusetzen.

Seiner Meinung nach seien diese Forderungen nun interessanter, denn es gebe mehr Geld und es sei wesentlich mehr möglich, erklärte Stangl beim Auftakt einer Reihe von Gebietsversammlungen im Gasthof Anzer in Oberlind. "Wald ist gefragt", verdeutlichte Josef Maier, Geschäftsführer der Waldbauernvereinigung Eslarn-Vohenstrauß. Die derzeit unsichere wirtschaftliche Lage in Russland und die Kriege im Nahen Osten schlagen sich auch auf die Holzwirtschaft nieder, die aktuell sehr angespannt ist. Der Absatz von Schnittholz sei deshalb oft problematisch oder nur begrenzt möglich. Vor allem Kiefernabschnitte seien davon betroffen, Kiefernlangholz dagegen sei weiterhin gefragt.

Preise noch stabil

Nichtsdestotrotz blieben die Holzpreise im vierten Quartal stabil. Wie sich der Holzpreis jedoch im neuen Jahr weiterentwickle, darüber traute sich der Experte keine verlässliche Prognose abzugeben. Maier gab die Empfehlung, wer einen Holzeinschlag plane, solle dies noch vor Weihnachten tun. Fichten-Stammholz 2 b plus (ab 25 Zentimeter Mittendurchmesser ohne Rinde) werde derzeit mit 99 Euro pro Festmeter verrechnet, Fichten-Abschnitte kämen auf 97 Euro. Kiefer-Stammholz bringe 79 Euro pro Festmeter und Kurzholz 74 Euro. Alle Preise gelten zuzüglich der gesetzlichen Mehrwertsteuer, abzüglich zwei Prozent Skonto, klärte Maier die Teilnehmer auf. Wer Holz einschlagen will, sollte sich vorher mit der WBV-Geschäftsstelle wegen der geforderten Fixlängen absprechen. Bei Faserholz gelten noch 38,50 Euro, da es bisher zu keinem Abschluss kam.

Maier forderte die Waldbauern erneut auf, das Holz sauber am Wegrand aufzuschichten und zu lagern, ansonsten drohten Abschläge. Der Lagerplatz müsse ganzjährig befahrbar sein. Oft würden durch herabhängende Äste die Spiegel von den LKW gerissen. Kleinstmengen unter fünf Festmeter könnten zukünftig nicht mehr abtransportiert werden, da der Aufwand für die Holzfuhrwerke viel zu groß sei. Maier forderte als Mindestmengen 10 bis 15 Festmeter. Allein der WBV-Hauptabnehmer - das Sägewerk Ziegler in Betzenmühle - brauche täglich 7000 Festmeter Holz, und wenn die Fuhrwerke diese Menge mit kleinen Holzstapeln zusammensammeln sollten, bräuchten sie rund um die Uhr, verdeutlichte Maier das Problem.

Die WBV-Jahreshauptversammlung verschiebe sich 2015 aus förmlichen Gründen von Januar auf März, gab der Geschäftsführer bekannt. Bei der Geschäftsstelle könnten Rücke-Anhänger und Holzspalter ausgeliehen werden. Heuer seien die Geräte nicht so beansprucht worden wie üblich.

Zertifizierte Pflanzen

WBV-Förster Andreas Eiser informierte auf Nachfrage eines Waldbauern, dass demnächst die Pflanzenlieferungen eintreffen. Die Waldbauern sollten bei ihren Bestellungen unbedingt angeben, ob sie sogenannte "ZÜF"-Pflanzen (Zertifizierungsring für überprüfbare forstliche Herkunft) haben wollen, die in der Anschaffung jedoch teurer sind. Ziel dieser Zertifizierung ist die Verwendung von herkunftsgerechten, qualitativ hochwertigen Pflanzen, um stabile, standortgerechte Wälder zu begründen. Trotz gesetzlicher Regelungen war der exakte Herkunftsnachweis bislang nicht möglich. Bei diesen Pflanzen würden über Jahre hinweg Referenzproben hinterlegt, was eine spätere Überprüfung der Herkunftsidentität ermögliche, ergänzte Stangl. Die Mehrkosten könnten aber über eine Förderung wieder ausgeglichen werden. Stangl ging anschließend detailliert auf die neuen Förderrichtlinien ein, die umfangreich sind und deshalb im Einzelfall vor Ort im entsprechenden Waldgebiet besprochen werden müssen.

Bei der Wiederaufforstung wird die Anpflanzung von standortgemäßen und Klima-toleranten Wäldern aus Laub- und Nadelhölzern gefördert. Bei der Schaffung von Mischbeständen mit mindestens 50 Prozent Laubholzanteil sind auch Nadelhölzer wie beispielsweise Lärche, Douglasie und Fichte förderfähig. Die Förderung erfolgt Stückzahl-bezogen. Förderzuschläge bekommen Kleinstwaldprivatbesitzer (unter zwei Hektar) und in Beständen, in denen sich derzeit ein hoher Anteil an Klima-toleranten Baumarten befindet, bis maximal 30 Prozent. Weitere Förderzuschläge gäbe es für Wuchshilfen oder Kulturvorbereitungen, führte Stangl aus. Die Grundfördersätze für Laubholz und Weißtanne betragen pro Stück 1,10 Euro und für Mischbestand pro Stück 0,85 Euro. Wer Laubholz ohne die übliche Bindefrist pflanzen will, bekommt 0,50 Euro pro Stück gefördert.

Fördersätze

Bei der Erstaufforstung wird die Begründung von Wald mit Laubholz- und Mischbeständen auf bisher nicht forstwirtschaftlich genutzten Grundstücken unterstützt. Die Grundfördersätze sind bei Laubholz auf 1,35 Euro pro Stück und bei Mischbestand auf 1,25 Euro pro Stück festgesetzt. Auch für die Naturverjüngung und Jungbestandspflege können Waldbauern Geld vom Freistaat bekommen. Ob die Flächen gefördert werden, entscheiden die zuständigen Förster und Revierleiter. Deshalb ist vordringlich das Gespräch mit diesen Fachleuten zu suchen.
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