Wegen Säureattacke auf Freundin vor Gericht

Die Ex-Freundin des Angeklagten (hier im Landgericht Paderborn) hat noch heute mit den Folgen der Säureverätzungen zu kämpfen. Bild: dpa

Die Frau überlebte, doch sie wird ihr Leben lang entstellt bleiben: Ein lebensgefährlicher Angriff mit Säure beschäftigt in Paderborn die Justiz. Das Opfer verdeckte die Narben im Gerichtssaal mit einer seidenen Maske.

Aus Eifersucht soll er seiner Freundin Schwefelsäure über den Kopf geschüttet haben - nun muss sich ein 39-Jähriger in Nordrhein-Westfalen wegen versuchten Mordes verantworten. Die Frau (39) überlebte den Angriff nur dank eines schnellen Notfalleinsatzes, bleibt aber lebenslang entstellt. Der Angeklagte wollte sich bei dem Prozess vor dem Landgericht Paderborn zunächst nicht äußern.

Opfer verzeiht Ex-Freund

Laut Anklage hatte das Opfer vor der Tat angedeutet, sich von dem Mann trennen zu wollen. Daraufhin soll er ihr an ihrer Wohnung in Hövelhof bei Paderborn aufgelauert und sie angegriffen haben. Trotz der bleibenden Schäden, die sie davon tragen wird, habe sie ihm verziehen, sagte sie am Freitag zum Auftakt des Verfahrens.

Bei Gericht erschien die 39-Jährige mit einer seidenen Maske, die das mehrfach operierte Gesicht schützen soll. In ihrer Beziehung hätten sie zuletzt viel gestritten, erzählte die Frau. Wenn ihr Freund Alkohol getrunken hatte, soll er zudem handgreiflich geworden sein. Schließlich habe sie gedroht, ihn zu verlassen. "Mein Wunsch ist es, dass er die Hilfe bekommt, die er braucht", sagte sie auf die Frage des Richters, was sie sich von dem Prozess erhoffe.

Die Frau erlitt schwerste Verätzungen an der rechten Gesichtshälfte, am Hals und am Oberschenkel. Sechs Wochen lang wurde sie in einer Spezialklinik behandelt und mehrfach operiert. Weitere Eingriffe werden folgen. Sie sei durch die Verätzungen entstellt und werde es auch ihr Leben lang bleiben, sagte ihr Arzt.

Der mutmaßliche Täter war nach der Attacke geflüchtet. Einen Tag später wurde er auf einem Autobahnparkplatz in Bayern festgenommen. Im Gespräch mit einem psychologischen Gutachter hatte der Mann zuvor eingeräumt, dass es in der etwa halbjährigen Beziehung zuletzt zu Streit und handgreiflichen Eifersuchtsszenen gekommen sei.

Einschlägig vorbestraft

Er habe sich selbst als Liebesbeweis an der Hand verätzen wollen. Doch dann sei es zum Streit gekommen, er habe sich nicht ernst genommen gefühlt und die Säure in ihre Richtung geschüttet, zitierte der Sachverständige aus seinem Gutachten. Der Mann ist vorbestraft, auch wegen versuchten Totschlags. Damals verletzte er eine Partnerin schwer.
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