Weitere 42 000 Menschen auf der Balkanroute unterwegs - Rückgang in München - Gewalt auf Lesbos
Flüchtlingskrise: Keine Entspannung in Sicht

Die Zahl der Flüchtlinge auf der Balkanroute nimmt zu. Das gegenwärtige Ausmaß der Flüchtlingskrise in Europa werde sich frühestens im November abschwächen, sagte Vincent Cochetel, Europa-Direktor des Flüchtlingshilfswerks UNHCR am Dienstag in Budapest. Allein in den nächsten zehn Tagen sei mit 42 000 weiteren Flüchtlingen auf der Balkanroute zu rechnen. Die Zahl der in München ankommenden Flüchtlinge ging zunächst zurück. Am Dienstag waren es bis zum frühen Nachmittag rund 1300. Die Suche nach einem weiteren Drehkreuz für die erste Versorgung der Flüchtlinge dauert noch an. Im Gespräch sind Leipzig, Hannover und Hamburg.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) sagte in Berlin, die Prognose von 800 000 Flüchtlingen in diesem Jahr sei überholt. Die vom Bund angekündigte Drei-Milliarden-Hilfe für Länder und Kommunen ab 2016 reiche nicht aus. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker will heute im Europaparlament neue Vorschläge zur Flüchtlingspolitik präsentieren. Sie sehen unter anderem eine Umverteilung von weiteren 120 000 Flüchtlingen vor. Kanzlerin Angela Merkel sprach sich gemeinsam mit dem schwedischen Ministerpräsidenten Stefan Löfven für einen festen Verteilungsschlüssel für alle 28 EU-Mitglieder aus. Deutschland und Schweden nehmen aktuell die meisten Asylbewerber auf.

Bei der Flucht über das Mittelmeer haben seit Freitag 58 weitere Menschen ihr Leben verloren. Auf der griechischen Insel Lesbos kam es zu Zusammenstößen zwischen Flüchtlingen und der Polizei. Rund 6000 Migranten versuchten, auf die Fähre "Eleftherios Venizelos" zu gelangen, die nach Piräus auslaufen sollte. Die Fähre kann aber höchstens 2500 Menschen aufnehmen. Auf den griechischen Inseln halten sich nach Angaben von UNHCR derzeit mehr als 30 000 Migranten auf.
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