Wende bei der Fifa: Blatter gibt plötzlich auf

Joseph Blatter verlässt seinen Stuhl: Vier Tage nach seiner Wiederwahl erklärte der Fifa-Präsident überraschend seinen Rücktritt. Bild: dpa

Der Fußball war seine Welt. Joseph Blatter, der Herrscher der Fifa, gibt auf. Der Korruptionsskandal kostet ihm das Amt. Völlig überraschend kündigt er vier Tage nach seiner Wiederwahl seinen Rücktritt an.

(dpa/nt/az) Joseph Blatter gibt doch auf! Nur vier Tage nach seiner Wiederwahl für eine fünfte Amtszeit kündigte der umstrittene Schweizer seinen sensationellen Rückzug als Fifa-Präsident an. Nach 17 Jahren an der Spitze formulierte Blatter Worte, die selbst im Sumpf der Korruptionsvorwürfe gegen seinen Verband niemand erwartet hätte. "Ich habe ernsthaft über meine Präsidentschaft nachgedacht und über die vierzig Jahre, in denen mein Leben untrennbar mit der Fifa und diesem großartigen Sport verbunden gewesen ist", sagte Blatter.

Durch die Wahl am Freitag habe er noch einmal das Mandat durch die Fifa-Mitglieder bekommen, "aber ich habe das Gefühl, dass ich nicht das Mandat der gesamten Fußball-Welt habe. "Daher habe ich entschieden, mein Mandat bei einem außerordentlich Kongress niederzulegen."

US-Ermittler haben auch Blatter ins Visier genommen. Die amerikanische Zeitung "New York Times" berichtete am Dienstagabend auf ihrer Internetseite, die Ermittler hoffen auf die Kooperationsbereitschaft einiger angeklagter Fifa-Funktionäre. Das US-Justizministerium hatte am 25. Mai seine Ermittlungen wegen organisierten Verbrechens und Korruption gegen 14 Personen öffentlich gemacht. Der scheidende Fifa-Präsident war aber nicht genannt worden.

Nicht alle Probleme gelöst

Uefa-Präsident Michel Platini, der Blatter vor dessen erneuter Wahl den Rücktritt nahegelegt hatte, begrüßte den Schritt: "Es war eine schwierige Entscheidung, eine mutige Entscheidung, und die richtige Entscheidung." "Das ist die Entscheidung, die absolut richtig ist, die überfällig ist", sagte Wolfgang Niersbach, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, in Berlin. "Es ist eigentlich eine Tragik, warum er es sich selber und uns allen das nicht erspart hat, dass er das früher gemacht hätte." Mit dem Rücktritt seien aber nicht "alle Probleme gelöst", betonte Niersbach.

Blatters Nachfolger soll bei einem Sonderkongress zwischen Dezember 2015 und März 2016 gewählt werden. Diesen Zeitraum nannte Domenico Scala, Chef der Fifa-Compliance-Kommission. Gemäß Statuten seien mindestens vier Monate zur Vorbereitung eines Wahlkongresses notwendig. Der nächste reguläre Kongress ist erst für den 12. und 13. Mai 2016 in Mexiko-Stadt vorgesehen. "Dies wurde eine unnötige Verzögerung bedeuten", sagte Blatter.

Kampfgeist verflogen

Bis zur außerordentlichen Zusammenkunft wird Blatter sein Amt noch ausüben. Blatter wirkte gefasst, als er seine Worte in französischer Sprache vortrug. Vom Kampfgeist und seiner Aufbruchstimmung wie noch bei seiner Wiederwahl am Freitag war aber nichts mehr zu spüren. (Seite 9)

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