Weniger junge Komatrinker

Komasaufen gerät bei jungen Leuten zunehmend aus der Mode, bleibt aber dennoch ein gesellschaftliches Problem. Bild: dpa

An jedem Wochenende landen völlig betrunkene Jugendliche in den Krankenhäusern. Aber ihre Zahl sinkt - Kampagnen und Werbemaßnahmen gegen Alkohol zeigen Wirkung. Doch der Kampf gegen das Komatrinken ist noch nicht gewonnen.

"Drink doch ene met" - nicht nur in den Karnevalshochburgen haben in diesen Tagen Bier, Schnaps und Wein Hochkonjunktur. Und auch wenn wieder viele Jugendliche zur Flasche greifen werden, die Zahl der jugendlichen Komatrinker ist rückläufig. Fast 23 300 Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 19 Jahren sind 2013 in Deutschland wegen akuten Alkoholmissbrauchs stationär in einem Krankenhaus behandelt worden. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Dienstag in Wiesbaden mitteilte, sind das 12,8 Prozent weniger als 2012 - allerdings immer noch fast zweieinhalb mal so viel wie im Jahr 2000.

Zum Vorjahr also ein deutlicher Rückgang, aber keine Entwarnung. "Bevor die Sektkorken knallen: Wir haben diese Probleme nach wie vor", sagt der Geschäftsführer der Hauptstelle für Suchtfragen (HFS), Raphael Gaßmann. "Deutschland ist weiterhin eine Alkohol-Nation." Sieben von zehn wegen Alkohol im Krankenhaus behandelten Jugendlichen waren noch keine 18 Jahre alt.

Überproportional häufig greifen junge Männer regelmäßig zu Bier, Schnaps oder Wein. Zwar sank ihre Zahl nach Destatis-Berechnungen 2013 um 15,6 Prozent. Mit 336 Fällen je 100 000 Einwohnern sind von übermäßigem Alkoholkonsum aber weiter vor allem Jungen und junge Männer betroffen. Bei Mädchen und jungen Frauen verzeichneten die Statistiker ein Minus von 6,7 Prozent auf 253 Fälle je 100 000 Einwohner.

Prävention wirkt

Sowohl die HFS als auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) machen eine gelungene Aufklärungsarbeit für den Rückgang verantwortlich. Die Zahlen zeigten, dass Präventionsmaßnahmen Jugendliche erreichen, sagt BZgA-Leiterin Heidrun Thaiss. Gaßmann von der HFS betont, die Einstellung der Öffentlichkeit zu Jugendlichen mit Alkohol habe sich geändert. Dennoch: Nach BZgA-Zahlen betrinkt sich fast jeder fünfte Jugendliche mindestens einmal im Monat. Auch ist der Alkoholkonsum nicht nur bei Jugendlichen ein Problem. "Trotz der erfreulichen Entwicklung bei jungen Menschen bleibt die absolute Zahl der aufgrund eines Alkoholrausches behandelten Personen nach wie vor besorgniserregend hoch", betont Thaiss. Am häufigsten treten Alkoholvergiftungen bei den 45- bis 54-Jährigen auf.
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