Wenn Antriebslosigkeit und Traurigkeit dominieren: Ohne Arzt geht es nicht
Depression beim Partner

Eigentlich kennt man seinen Partner als lebenslustigen Menschen. Jemand, der gerne rausgeht und etwas unternimmt. Doch nun zieht er sich zurück, ist in Gesprächen teilnahmslos. Das sind Anzeichen einer Depression, erklärt Prof. Ulrich Hegerl, Vorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Aufmerksam werden sollten Angehörige auch, wenn der Partner unter Schlafstörungen leidet und etwa nachts wach liegt und grübelt.

Schleichender Prozess

Ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit ist ebenfalls typisch, so Hegerl. "Das Leben bietet ja immer genug Probleme", sagt er. Aber bei Depressiven erscheinen sie riesig und unüberwindbar. Auch Schuldzuweisungen wie "Ich bin eine Belastung für die Familie", Appetitverlust und Gewichtsabnahme sind charakteristisch für Depressionen.

Manchmal rutschen Menschen innerhalb weniger Tage in eine Depression: Es kann, muss aber keinen spezifischen Auslöser geben, erklärt Hegerl. "Plötzlich verfinstert sich alles." Meistens schleicht sich die Erkrankung aber über mehrere Wochen an. Beobachtet man mehrere der beschriebenen Veränderungen über mindestens zwei Wochen bei seinem Partner, sollte man aktiv werden.

Am besten verdeutlicht man seinem Lieben: "Ich mache mir große Sorgen um dich", sagt Hegerl. Dann spricht man direkt an: "Es könnte eine Depression sein, sprich' mal mit einem Arzt." Das kann etwa der Hausarzt sein oder sofort ein Facharzt.

Hier sind die Angehörigen aber meist gefordert, die Terminvereinbarung zu übernehmen. Denn dem Betroffenen fehlen Kraft und die Hoffnung, dass ihm geholfen werden kann, beschreibt Hegerl. Die Unterstützung von Angehörigen ist dann wichtig: "Da muss man schon hartnäckig sein." Ratsam ist auch, dem Partner zu verdeutlichen: "Depression kann man gut behandeln."

Professionelle Hilfe

Im Alltag ist wichtig, dass der Angehörige dem Erkrankten stabil zur Seite steht. Er selbst muss sich aber auch deutlich machen: "Mit Zuwendung alleine kann man die Depression nicht heilen", sagt Hegerl. Es braucht professionelle Hilfe. Gerade am Anfang kann es passieren, dass man die Veränderungen des Partners persönlich nimmt: Die Teilnahmslosigkeit wird etwa interpretiert als mangelnde Liebe. Kränkung, Frustration und Ärger sind mögliche Folgen.

Hegerl rät Angehörigen, sich ausgiebig über Depressionen zu informieren, damit man sie richtig einordnen kann und erkennt: Es ist eine Krankheit. Weder ist man daran schuld, noch verantwortlich für die Heilung. Unterstützung ist wichtig, aber allein stößt man schnell an Grenzen. (dpa/tmn)
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