Wer ist mein Vater?

Samenproben werden mittels einer Kryo-Konservierung in flüssigem Stickstoff bei etwa minus 170 Grad Celsius gelagert Bild: dpa

An die 100 000 Kinder in Deutschland sind per Samenspende gezeugt. Muss ein Kind erst eine bestimmte Reife haben, um mehr über seine Herkunft zu erfahren? Nun hat der BGH eine richtungsweisende Entscheidung gefällt.

Per Samenspende gezeugte Kinder haben grundsätzlich ein Recht darauf, den Namen ihres biologischen Vaters zu erfahren. "Ein bestimmtes Mindestalter des Kindes ist dafür nicht erforderlich", entschied der Bundesgerichtshof (BGH) am Mittwoch in Karlsruhe.

Wenn Eltern als Vertreter ihrer Kinder den Namen des Spenders wissen wollen, müssen Reproduktionskliniken diesen herausgeben. Die höchsten deutschen Zivilrichter knüpften den Auskunftsanspruch allerdings an Bedingungen: Eltern könnten den Anspruch nur geltend machen, wenn dies der Information des Kindes diene. Auch müssten mögliche Auswirkungen auf das Privatleben des Samenspenders berücksichtigt werden. Dem Recht des Kindes auf Kenntnis der eigenen Abstammung komme aber "regelmäßig ein höheres Gewicht zu". Schätzungen zufolge gibt es in Deutschland etwa 100 000 mit Samenspenden gezeugte Kinder.

Die BGH-Richter betonten, für Kinder könne die Information über den biologischen Vater "für die Entfaltung der Persönlichkeit von elementarer Bedeutung sein". Für den Samenspender müsse die Auskunft zwar zumutbar sein. "Nicht maßgeblich sind hingegen seine wirtschaftlichen Interessen", so der BGH. Theoretisch könnten Spendern nach Preisgabe ihrer Identität sogar Unterhalts- oder Erbschaftsklagen drohen.

Präzedenzfall neu verhandelt

Im vorliegenden Fall hatten zwei Schwestern aus der Nähe von Hannover Auskunft von einer Reproduktionsklinik verlangt. Das Landgericht Hannover lehnte dies ab, weil es die heute 12 und 17 Jahre alten Mädchen für zu jung hielt. Der BGH hob die Entscheidung nun auf und verwies den Fall dorthin zurück. Das Gericht in Hannover muss nun klären, ob die Eltern die Auskunft wirklich für ihre Kinder wollen. Der BGH sah allerdings nichts, was dem Auskunftsanspruch entgegenstehen könnte.

Nach einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 1989 hat jeder das Recht auf Kenntnis seiner Herkunft. 2013 billigte das Oberlandesgericht Hamm erstmals in einem konkreten Fall, dass durch künstliche Befruchtung gezeugte Kinder Anspruch auf den Namen ihres Vaters haben. Samenbanken und Reproduktionskliniken sicherten Spendern in Deutschland jahrzehntelang vertraglich Anonymität zu.
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