Wer wird Millionär?

Auch wenn das Schild noch mit dem Hinweis auf den Eurojackpot von 90 Millionen Euro lockt - der Gewinner ist längst gezogen. Nach vier Wochen des Wartens hat sich der Tscheche endlich zu erkennen gegeben. Bild: dpa

Fast vier Wochen nach der Ziehung hat sich am Donnerstag endlich der Gewinner des 90-Millionen-Euro-Jackpots aus Tschechien gemeldet. Besonders glücklich sah er aber nicht aus.

Wie der Sprecher der Lottogesellschaft Sazka, Vaclav Friedmann, auf Nachfrage sagte, sei ein "Mann mittleren Alters" am Vormittag mit dem Zug aus der 100 Kilometer östlich von Prag gelegenen Stadt Pardubice in die Hauptstadt gereist. Er habe dann in der Lotto-Zentrale angerufen, "mit leiser Stimme" von dem Gewinn erzählt und gefragt, an wen er sich jetzt wenden müsse.

"Der Mann, den man auf der Straße nicht von jedem normalen Menschen würde unterscheiden können, war locker mit einem T-Shirt und Jeans bekleidet und hatte einen Rucksack bei sich", beschrieb Friedmann den Lottohelden. "Er war sehr, sehr nervös. Einen wirklich glücklichen Eindruck hat er nicht hinterlassen." Die Nervosität habe ihn aber nicht nur wegen des Riesengewinns von umgerechnet 2,5 Milliarden Kronen gepackt: "Er hatte allen Ernstes Sorge, seinen Zug zurück nach Padubice zu verpassen."

Angst vor Fotografen

Dass der Gewinner sich erst so spät gemeldet hat, habe er mit "gewaltiger Angst" begründet. "Er hat gemeint, dass man ihm den Gewinn äußerlich ansehen könnte und fürchtete sich nach seinen Worten vor allem vor Fotografen." Wochenlang habe er versucht, sich zu beruhigen und mit dem Gedanken klar zu kommen, dass er jetzt einer der reichsten Menschen seines Landes sei. Das sei ihm aber nur mäßig gelungen.

"Der zuständige Mitarbeiter hat den Gewinner auch nach Kräften zu beruhigen versucht. Wir halten die Dinge alle strengstens geheim. Nicht einmal der Pförtner bei uns wusste, was der Mann eigentlich wollte. Sicherheitshalber haben wir dem Glückspilz aber Kontakte zur psychologischen Beratung mit auf den Weg gegeben. Und zugleich umgerechnet 10 000 Euro. Das ist der Maximalbetrag, den wir bar auszahlen. Der große Rest geht binnen 60 Tagen auf sein Konto." Dem Gewinner, so der Sprecher der Lottogesellschaft weiter, sei noch unklar gewesen, was er mit dem vielen Geld machen werde. "Er sagte aber, dass er sein Leben nicht groß zu verändern gedenke. So wolle er auch weiter wie bisher arbeiten gehen. Und er will sich von Finanzberatern sagen lassen, wie man das Geld am besten anlegt."

Viele Pseudo-Gewinner

Der Lottogesellschaft ist nach den Worten Friedmanns "ein Stein vom Herzen gefallen". Sie hatten sich bereits Sorgen gemacht, ob sich der Gewinner bis Ende des Monats noch rechtzeitig melden würde. "Es wäre ja schrecklich gewesen, wenn der Gewinn verfallen wäre. Das wäre am Ende auf unsere Lottogesellschaft und die ganze Tschechische Republik zurück gefallen und wir wären zum allgemeinen Gespött geworden."

Seit der Ziehung war die Lottogesellschaft von zig Leuten angerufen worden, die sich als Gewinner ausgegeben hatten, aber den Gewinnschein nicht vorweisen könnten. "Die Ausreden gingen bis dahin, dass ein Haustier den Schein verspeist hätte", sagte Friedmann.
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