Wettrüsten zwischen Fahndern und Händlern

Wir wissen nicht, wie groß das Dunkelfeld ist.

Es sind die Schicksale hinter den Zahlen, die bewegen: Auf einer oberfränkischen Polizeiwache verschluckte ein Crystalkonsument seine im Finger eines Gummihandschuhs versteckte Droge - der Notarzt konnte dem jungen Mann nicht mehr helfen.

Reinhard Kunkel, Polizeipräsident Oberfrankens, schilderte den Vorfall während einer Schwerpunktkontrolle in Selb. Das bayerisch-tschechische Grenzgebiet ist Brennpunkt des mitunter tödlichen Geschäfts mit dem kristallinen Methamphetamin. "Wir betreuen 59 Kilometer Grenze", sagt Kunkel, "der Handel bewegt sich auf Schiene und Straße - die neueste Errungenschaft sind die Fernbusse."

Bayerische, tschechische und Bundespolizei, dazu der Zoll: "Wir haben die Kräfte gebündelt", sagt der Präsident, "setzen modernes Equipment wie Car-Pads oder das mobile Röntgengerät des Zolls ein." Dadurch steigen die Aufgriffe, die Menge des sichergestellten Crystals. Aber: "Wir wissen nicht, wie groß das Dunkelfeld ist." Denn auch die Gegenseite rüstet auf, es entstehen professionelle Vertriebsstrukturen. Die Abhängigen greifen zu immer gefährlicheren Methoden, wie dem Körperschmuggel, um den Fahndern zu entgehen.

"Wir stemmen uns mit aller Macht gegen die gefährliche Droge Crystal", sagt Bayerns Innenminister Joachim Herrmann. Mit 2123 Fällen hätten sich Crystal-Delikte 2013 gegenüber 2010 fast verdoppelt. Bereits 2012 habe der Minister ein Bekämpfungskonzept gegen Crystal lanciert:

Schleierfahndung: "2013 haben Fahnder 19 558 Delikte registriert - darunter 3436 mit Drogenbezug."

Zusammenarbeit mit Tschechien: "Bayerische und tschechische Polizeibeamte führen gemeinsam Razzien auf Asiamärkten durch."

Prävention: "In Oberfranken betreut das Projekt ,Unsere Stadt - gemeinsam gegen Drogen' Betroffene", sagt Herrmann. "In der Oberpfalz engagiert sich die Initiative ,Need no Speed' für Abhängige und deren Angehörige."
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