Wieder Feuer in Asylheimen

Wieder zündeln Unbekannte an geplanten Flüchtlingsunterkünften darunter auch in Unterfranken. Viele Details der Fälle sind noch unklar. Doch die Politik ist alarmiert.

Die Serie von Anschlägen auf Flüchtlingsheime in Deutschland reißt nicht ab. Im unterfränkischen Waldaschaff brannte am Samstag ein Papiercontainer in der Garage eines Flüchtlingsheims. In der Nacht zum Samstag ging in Remchingen (Baden-Württemberg) ein leerstehendes Vereinsheim in Flammen auf, in das 2016 nach einem Umbau Flüchtlinge einziehen sollten. Die Polizei geht in beiden Fällen von Brandstiftung aus und schließt einen fremdenfeindlichen Hintergrund nicht aus.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) verurteilte die Tat: "Wir werden alles daran setzen, den niederträchtigen Brandanschlag (...) aufzuklären. Bei uns ist kein Platz für Hass und Ausgrenzung." Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) erklärte in Berlin, jeder Anschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft sei "ein Angriff auf unsere Gesellschaft".

Im Waldaschaff befanden sich zu dem Zeitpunkt 18 Menschen in dem Haus, verletzt wurde niemand. Am Gebäude selbst entstand kein Schaden. Ob der Brand vorsätzlich gelegt wurde, ist unklar. Zeugenaussagen zufolge soll sich kurz vor Ausbruch des Feuers ein Mann im Hof des Anwesens aufgehalten haben.

In Remchingen bemerkte ein Autofahrer kurz nach Mitternacht das Feuer. Bis die Feuerwehr kam, brannten jedoch schon zwei Stockwerke und das Dach aus. Das dreistöckige Gebäude muss wohl abgerissen werden, der Schaden liegt bei etwa 70 000 Euro. Die eigens eingesetzte "Ermittlungsgruppe Meilwiese" analysiert nun den Brandschutt nach möglichen Brandbeschleunigern. Erst in der Nacht zum Donnerstag hatten Unbekannte in Reichertshofen Brände an zwei Eingängen eines Gebäudekomplexes gelegt, in den im September 67 Asylbewerber einziehen sollten. Ermittler gehen rund einem Dutzend Hinweisen.

Gebäude nicht zu retten

Auch anderswo hatte es zuletzt vermehrt Angriffe auf geplante oder fast fertige Flüchtlingsunterkünfte gegeben. Jugendliche haben am Sonntag an einer Flüchtlingsunterkunft in Halberstadt Steine auf Helfer des Deutschen Roten Kreuzes geschleudert. Eine 20-jährige Helferin wurde an der Wange getroffen, teilte die Polizei mit. Zudem sei mehrfach "Ausländer raus" skandiert worden. Die Polizei nahm sechs Verdächtige im Alter von 15 bis 20 Jahren fest und ermittelt wegen Volksverhetzung und gefährlicher Körperverletzung.
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