Wildes Leben

Rickie Lee Jones, die zweifache Grammy-Gewinnerin und renommierte US-Singer/Songwriterin meldet sich mit ihrem neuen Album "The Other Side Of Desire" zurück. Die in New Orleans ansässige Musikerin machte das erste Mal 1978 von sich Reden - mit einem 4-Track Demo, das die Aufmerksamkeit sämtlicher Major-Labels auf sich zog.

Rickie Lee Jones riss bereits 1969 - gerade mal 14 Jahre jung - von ihrer Heimat Chicago aus, um seither nie mehr in ihr Elternhaus zurückzukehren. Das wilde Kalifornien war ihr Ziel, wo sie bis vor zwei Jahren an unterschiedlichen Orten residierte. "The Lady Is A Tramp", hätte Frank Sinatra das lyrisch mit seinem gleichnamigen Lied ausgedrückt. Doch ganz so poetisch war das Dasein der "ewigen Herumtreiberin", wie sich die Singer/Songwriterin selbst benennt, "garantiert nicht immer", beteuert sie.

Rickie Lee Jones bezeichnet sich als "ewig Abenteuerlustige, ich wollte nicht nur Musik machen und davon mein Leben fristen können - ich wollte einen kompletten Lifestyle der Andersartigkeit zelebrieren, eine Art "poetisches Underdog-Dasein" in Szene setzen. Das habe ich ausführlich getan. Ob mir so eine Existenz immer gut getan hat, ist eine andere Geschichte. Jedes Extrem hat seine positiven wie negativen Seiten."



Die heute 60-Jährige war in den 1970ern Lebensgefährtin der damaligen Schnapsdrossel Tom Waits (der seit langem dem Alkohol komplett abgeschworen hat), trieb sich mit Größen wie Dr. John, Randy Newman oder Michael McDonald von den Doobie Brothers herum, mit denen sie Musik live spielte und aufnahm, zudem nicht wenige Nächte zu Tagen machte, beinahe nebenher wurde die Ausnahme-Musikerin 1980 völlig zurecht für ihr grandioses, nach ihr betiteltes Debütalbum für zwei Grammys nominiert.

"Stimmt schon, ich hatte ein wildes Leben, eine endlose lange Sause", erinnert sich Jones anno 2015. "Ich bereue meine Vergangenheit nicht. Aber ich möchte zur selben Zeit keine Zukunft mehr in diesem ziemlich verrückten Stil haben. Darum bin ich nach New Orleans gezogen. Ich wollte weg aus dieser falschen Glitzerwelt von Hollywood & Co. "No more Showbusiness", lautet meine Devise seit dem Umzug. Es wurde Zeit, dass ich mich ganz auf meine Musik zurück-konzentriere." Rickie Lee Jones hat ihre eigene Plattenfirma gegründet, darauf ist jetzt ihr Album "The Other Side Of Desire" (Tosod-Music/Thirty Tigers/Alive) erschienen. Zu hören ist wie gewohnt die eigenwillige, intensive Mixtur aus Folk, Jazz, Blues und Pop, getragen von dieser unvergleichlichen Stimme. Die mag inzwischen brüchiger als einst klingen, eher Nico als Joni Mitchell, bedingt durch die bewegte Vergangenheit. Dadurch ist dieses Sangesorgan allerdings auch verletzlicher geworden, wirkt eindringlicher.

Wie kam es zum Albumtitel? "Auf der anderen Seite der Straße, in der ich lebe, gibt es einen Platz namens "Desire", also "Sehnsucht". Dieser Begriff hat mich seit ich hier wohne irgendwie magisch angezogen. Also beschloss ich eines Tages, dass ich ihm meine nächste Platte widmen werde. Sehnsucht hat übrigens nicht zwangsweise etwas mit Sexualität zu tun, wie viele Menschen glauben. Für mich ist sie vielmehr das Verbindungsglied zwischen Himmel und Hölle. Irgendwo dort baumelt meine Seele auf ewig herum - was für ein ungewöhnlicher Zustand."

Und wie kam es zum Umzug speziell nach New Orleans? "Ich habe diesen Ort bewusst gewählt - vermutlich hat er auch mich ausgewählt", erklärt Jones etwas kryptisch. "Schon als ich anreiste, war mir klar, dass es der menschlichste Ort ist, den man in den USA aktuell findet. Hier gibt es noch einen echten Milchmann, der die morgens eine Flasche vor die Tür stellt. Der Müll wird von richtigen Leuten entsorgt, nicht von Maschinen wie in Los Angeles. Wenn du neu einziehst, machst du einen Antrittsbesuch bei den Nachbarn - und sie öffnen tatsächlich die Tür und plaudern mit dir. Im Rest von Amerika ist das alles die grandiose Ausnahme. Richtig, ich habe mich nach Herzenswärme und Empathie gesehnt. Daher musste ich weg von der Westküste."

Interessantes Dasein

Die einst so legendär-lässige Westcoast hat Rickie Lee Jones seit längerem emotional nicht mehr gut getan, wie sie seufzend berichtet: "In den letzten fünf Jahren hatte ich kaum Geld und wenig Motivation für die Arbeit", bekennt sie. "Stattdessen habe ich viel geträumt. Ich befand mich gerne in einer Art Parallel-Welt. Es ist ein interessantes Dasein, mehr oder weniger von der Hand in den Mund zu leben. Eine Zeitlang war ich beinahe traurig, wenn ich meinem Broterwerb nachgehen und im Studio Musik aufnehmen oder live spielen musste. Doch seit ich in New Orleans wohne, habe ich einen neuen Kick für Kreativität bekommen. Ich bin wieder voll da! Nun ja, zumindest rede ich mir das ein..."

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.rickieleejones.com/
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