"Wir alle leben von der Natur"

Nachwuchsmangel ist seit Jahren ein leidiges Thema in vielen Vereinen. Im Aufwärtstrend befindet sich seit Juni 2012 der OWV Waidhaus. Eine Kinder- und Jugendgruppe brachte neues Leben und neuen Schwung in den bislang eher traditionell ausgerichteten Verein.

Die Wahl von Ute Stich zur Jugendwartin machte das möglich. In einem Interview mit unserem Mitarbeiter Josef Forster nannte sie Hintergründe zu diesem Erfolg und gab gute Tipps; scheute aber auch nicht vor Kritik.

Wie groß ist die Gruppe?

Aktuell haben sich 13 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren im OWV angemeldet; zwei weitere Kinder aus Berlin sind schon länger dabei und nutzen ihre Ferienaufenthalte zur Teilnahme.

Mit welchen Problemen kämpfen Sie?

Die zögerliche Annahme des Angebots bereitet Sorgen. Unsicherheiten seitens der Eltern, wie viel Freiheit und Freiraum sie ihren Kindern heute noch zugestehen können und wollen, sowie der zunehmende Leistungsdruck in den Schulen, doch auch die Bequemlichkeit, welche Freizeitgestaltung vor dem PC, Tablet, Fernseher und Handy stattfinden lässt, verhindern den Kontakt zur Natur.

Aber gerade hier hätten junge Menschen die Möglichkeiten körperliche, geistige und seelische Potenziale zu entfalten. Doch welches Kind darf noch im Bach Flusskrebse fangen, im Herbst Drachen steigen lassen oder auf Bäume klettern?

Worin sehen Sie Argumente für Ihr besonderes Angebot?

Die motorischen Fähigkeiten verkümmern, der Blick für das Sehenswerte in der Natur geht verloren, Erfahrungen können gar nicht mehr gemacht werden, etwa dass man auch widrige Wetterverhältnisse durchaus unbeschadet überlebt. Die jungen Menschen kommen mit unserer Erde kaum noch in Kontakt, man könnte ja schmutzig werden.

Oft hemmen auch die Angst der Eltern ihre Kinder loszulassen und dadurch hervorgerufene Unsicherheiten bei den Kindern die Lust auf das "Begreifen" und "Erfahren" der Natur, die bei uns vor der Haustür liegt. Draußen wartet die Möglichkeit sich auszutoben und so seine körperliche Fitness spielerisch zu erhalten, die Fantasie auszuleben ohne vorgefertigte Spielzeuge, Fernseh- und Computerprogramme.

Was möchten Sie den Kindern und Jugendlichen vor allem vermitteln?

Die Erkenntnis, dass wir alle von unserer Natur leben, droht auf der Strecke zu bleiben. Die Herkunft unserer Lebensmittel verbinden viele nur noch mit dem Einkauf im Supermarkt. Dabei ist die heimische Tierwelt und Pflanzenwelt vor der Haustür erfahrbar.

Die vom OWV Waidhaus unternommenen Aktivitäten sind vielfältig: Vogelbeobachtungen mit Fernglas und Bestimmungsbuch, Pflanzaktionen, Suche nach Frühblühern, Laubbaumbuch basteln, Schlittennachmittage, Fackelwanderung, Zeltübernachtung (bei der die Kinder selber ihre Zelte aufbauen dürfen), Umgang mit dem Lagerfeuer, kleine Wanderungen mit gemeinsamem Picknick rund um unsere Marktgemeinde, Erkundung des Lebens im Boden, Jonglier- und Balancierspiele im Freien, Spielenachmittage, jährlich eine ganztägige Ferienprogrammaktion mit Museums- und Zoobesuchen und Vieles mehr.

Ihr Chef, OWV-Vorsitzender Detlef König, lobte in der Jahreshauptversammlung Ihr Engagement. Dabei erwähnte er auch Ihre "Sachensuchwanderung". Was war daran das Besondere?

Eigentlich galt es nur, fünf vorgegebene Gegenstände zu finden. Doch erschreckend war hier die mehrere DIN A5-Seiten lange Liste mit all den Dingen, die eigentlich nicht in die Natur gehören. So etwas sensibilisiert die Kinder. Deshalb hofft der OWV Waidhaus auf weitere mutige Teilnehmer, welche die Schönheit, Schätze und Überraschungen unseres Lebensraums noch kennen und begreifen lernen wollen.
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