"Wir haben keine Basis für eine Weiterarbeit gesehen."
Aus für Domspatzen-Förderer

Die Vereinsvorsitzende des Kulturfördervereins der Domspatzen und Landesvorsitzenden von «Donum Vitae», Maria Eichhorn, spricht mit dem stellvertretenden Vorsitzenden und ehemaligen Oberbürgermeister von Regensburg, Hans Schaidinger. Bild: dpa
Regensburg. (gib) Traurig, aber gefasst trat Maria Eichhorn zusammen mit ihren Vorstandskollegen am Dienstag vor die Presse: Einstimmig habe der 38-köpfige Verein auf Empfehlung des Vorstands am Freitag beschlossen, sich aufzulösen, erklärte die frühere CSU-Bundestagsabgeordnete. "Wir haben keine Basis für eine Weiterarbeit gesehen." Der vom ehemaligen Bundestagspräsidenten Kai-Uwe von Hassel initiierte und seit der Gründung 1997 von Eichhorn geführte Verein durfte den Domspatzen in den vergangenen Jahren keine Geldmittel mehr zukommen lassen.

Die Probleme begannen, als sie 2008 das Amt der Landesvorsitzenden beim Schwangerenkonfliktberatungsverein Donum Vitae übernahm, berichtete Eichhorn. Der von katholischen Laien gegründete Verein berät schwangere Frauen "ergebnisoffen", also mit der Option auf den Schein, der Voraussetzung für einen straffreien Schwangerschaftsabbruch ist - zum Missfallen der Kirche.

Nach einem Vier-Augen-Gespräch mit dem damaligen Bischof Gerhard Ludwig Müller sei sie zunächst davon ausgegangen, dass ihr Engagement für den Domspatzen-Förderverein zum einen und für Donum Vitae zum anderen möglich sei, erklärte Eichhorn. "Dann wurden ich eines Besseren belehrt." Dompropst Wilhelm Gegenfurtner sei zu einem Gespräch beauftragt worden, in dem er dem Verein nahelegte, dass Eichhorn als Vorsitzende zurücktreten solle - was der Vorstand entschieden ablehnte.

Kein Kurswechsel

Der Verein kam dem Bistum allerdings insofern entgegen, dass er seinen bisherigen Namen von Kulturstiftung in Kulturförderverein änderte, um eine Verwechslung mit der Stiftung Regensburger Domspatzen, dem Träger des Chors, zu vermeiden. Außerdem wurden nicht mehr die Domspatzen insgesamt als Institution, sondern einzelne Domspatzen über Stipendien gefördert.

Mit dem Antritt des neuen Bischofs Rudolf Voderholzer Anfang 2013 hoffte der Verein auf einen Kurswechsel des Bistums, doch ein direkter Kontakt sei "trotz mehrfacher Anfragen, auch schriftlich, nicht zustande gekommen", bedauerte Eichhorn. "Eine vernünftige Grundlage für eine Zusammenarbeit mit dem Domkapitel gibt es nicht, an der Auflösung führte kein Weg vorbei."

Deutliche Worte zum Aus des Vereins fand Hans Schaidinger, Ex-Oberbürgermeister von Regensburg und stellvertretender Vorsitzender des Kulturfördervereins. "Da wollen Sie jemanden fördern, und der sagt, ich will das Geld gar nicht", machte er seinem Ärger Luft. Für den Vorstand sei es eine sehr schmerzliche Erfahrung gewesen, dass man die Vereinsarbeit nur schätzen würde, "wenn wir unsere Vorsitzende davonhauen".

Indirekte Unterstützung

Insgesamt habe der Verein die Domspatzen seit 1997 mit einer halben Millionen Euro aus Spendensammlungen und den Erträgen aus Benefizkonzerten unterstützt, erklärte Schaidinger. Instrumente wurden finanziert, große Konzerte gesponsert und Schüler gefördert. Nach dem offiziellen Unterstützungsverbot habe man für Bibliotheken CDs und Bücher der Domspatzen gekauft, um den Chor auf diese Art zu helfen. Der nun noch verbliebene Restbetrag von 25 000 Euro auf dem Konto des Fördervereins werde auf das Kulturforum Schloss Alteglofsheim und Donum Vitae aufgeteilt.

Für die Domspatzen ist es schwierig, mit der Situation umzugehen. Einerseits verlieren sie einen Förderer, andererseits müssen sie sich an die Weisungen des Bistums halten. In einer offiziellen Stellungnahme sprach Domkapellmeister Roland Büchner dem Kulturförderverein seine Dankbarkeit dafür aus, dass verschiedenste Projekte der Domspatzen gefördert und ermöglicht wurden. Aber er erklärte auch: "Da es seit 2009 nicht mehr möglich war, Unterstützung zu erhalten, ist die Auflösung des Vereins nur folgerichtig." (Angemerkt)
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