"Wir können nur beten"

Kinder aus Eslarn, Moosbach und Belá brachten die Fürbitten vor. Bild: gi

Schüler aus Eslarn, Moosbach und Belá nad Radbuzou gestalteten am Vorabend des Volkstrauertages mit Bischof Frantisek Radkovský aus Pilsen einen Friedensgottesdienst in der Kirche in Belá (Weißensulz). Der Geistliche stellt fest, dass es zwischen beiden Ländern nur noch eine besondere Grenze gebe.

Der Bischof feierte den Gottesdienst in Konzelebration mit Kaplan Julius John Ros aus Neukirchen St. Christoph. Für die Lesungen sorgten die beiden Schulleiter Kamila Císlerová (Belá) und Josef Rauch (Moosbach). In seiner Predigt erinnerte Radkovský an den großen Optimismus beim Fall des Eisernen Vorhangs vor 25 Jahren.

"Wir sprachen von Freiheit." Aber es kamen Situationen und Kriege auf dem Balkan, im Irak und Syrien. Überall sei nur Gewalt zu sehen. "Nun der Terror in Paris." Der Geistliche zeigte sich voller Trauer und bezog sich auf die Sprach- und Machtlosigkeit der Menschen: "Was wird in den nächsten Jahren?" Es gebe keine Antwort. Nur der Glaube an Gott könne uns den Halt geben. "Wir können nur beten", stimmte er auf ein gemeinsames Vaterunser in deutscher und tschechischer Sprache ein.

Alles ist selbstverständlich

"Herr, wir leben seit 70 Jahren in Frieden und Wohlstand. Selbst unsere Großeltern mussten keinen Krieg erleben. Das ist eine große Gnade. Trotzdem betrachten wir das alles als selbstverständlich und schätzen dieses Glück oft viel zu wenig", ermahnte Radkovský und bat, die Kinder ihre Fürbitten vorzubringen.

Nach dem Segen des Bischofs zogen die Gläubigen zum Kriegerdenkmal neben der Kirche. Radkovský betete für die Gefallenen und Vermissten und alle Kriegsopfer. Für ein noch besseres Zusammenwachsen von Deutschen und Tschechen hielt er das Erlernen der beiden Sprache für besonders wichtig. Es gebe keine Grenzen mehr, sondern nur noch die Sprachgrenzen. Der Geistliche freute sich auch über die freundschaftliche Atmosphäre zwischen Eslarnern, Moosbachern und den Leuten aus Belá. Er bezeichnete das als wichtige Schritte zu einem wirklichen Zusammenleben der Menschen in Europa.

Bürgermeister Rainer Gäbl, Eslarn, und zweiter Bürgermeister Fritz Steinhilber, Moosbach, legten Gestecke am Ehrenmal nieder. Gäbl sah die Zusammengehörigkeit sowie die Aussöhnung zwischen den beiden Staaten als vollzogen an. Der Volkstrauertag erinnere an die Opfer. Vor 70 Jahren nahm der schrecklichste aller Kriege von Deutschland aus seinen Anfang. "Das darf sich nicht wiederholen." Auch dankte er den zwei Schulleitern für ihre großartige Leistung zur Völkerverständigung; "Beide haben unsere heutige Freundschaft geprägt. Sie haben die Kinder auf den richtigen Weg gebracht." Císlerová, die zugleich zweite Bürgermeisterin von Belá ist, lud anschließend zu einem Imbiss in die Schulküche ein.
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