"Wir sind wieder zurück"

Mit ersten Mietern kommt Leben in das One World Trade Center. Bild: dpa

Kehrt 13 Jahre nach den Anschlägen von New York so etwas wie Normalität ein? Die ersten Mieter haben nun das neue One World Trade Center bezogen - ganz unspektakulär.

Scheinbar ein ganz normaler Morgen: Büro-Arbeiter betreten ein Hochhaus in New York, durchqueren das Marmorfoyer und nehmen die Fahrstühle. "Ein außergewöhnlicher Moment, der auf die allergewöhnlichste Art vorüberzog", schreibt die "New York Times" später über diesen Augenblick, denn der Wolkenkratzer ist ein ganz besonderer: das One World Trade Center.

Er ist nur wenige Schritte vom früheren Standort eines der beiden Türme entfernt, bei deren Einsturz am 11. September 2001 rund 2700 Menschen starben, und bietet nun laut Eigenwerbung "das höchste Gebäude der westlichen Hemisphäre".

Jetzt sind da endlich die ersten Mieter, ganz ohne feierliche Eröffnung. Der Condé-Nast-Verlag ("New Yorker", "Vogue" und "Vanity Fair") belegt ein gutes Drittel der 280 000 Quadratmeter Bürofläche. Dass es 13 Jahre nach den Anschlägen überhaupt dazu kommen konnte, grenzt an ein Wunder. "Neun Gouverneure, zwei Bürgermeister, mehrere Architekten, ein Bauherr, die Familien von Tausenden Opfern und Zehntausende Nachbarn haben um dieses kleine Stück Bauland gekämpft", berichtet das "Time"-Magazin.

Mit rund 3,9 Milliarden Dollar (3,1 Milliarden Euro) Baukosten entstand ein Gebäude mit 104 Stockwerken, doppelt so teuer wie geplant, 1776 Fuß (541 Meter) hoch - eine Anspielung auf das Jahr der US-Unabhängigkeitserklärung. Das Glas an den Außenwänden des One World Trade Center entspricht der Fläche von 20 Footballfeldern, Stahl für 20 000 Pkw ist verbaut worden und der genutzte Beton würde für einen zehn Zentimeter dicken Bürgersteig zwischen New York und dem 1150 Kilometer entfernten Chicago reichen.

Angst doch zu groß?

Potenzielle Mieter überzeugt das wenig. Nur 60 Prozent der Fläche sind vermietet, darunter große Flächen an viele öffentliche Institutionen. Häufig wurde gemutmaßt, dass die Angst, an diesen Ort zu ziehen, zu groß sei - trotz extradickem Betonkern und einem 20 Stockwerke hohen Beton-Stahl-Fundament. Auch sonst ist viel zu tun. Bisher wurden zwar ein Mahnmal und ein Museum eröffnet, und auch die Häuser "4 World Trade Center" und "7 World Trade Center".

Doch dann fangen die Probleme an: Erst 2015 soll ein Bahnhof fertig werden - sechs Jahre später als geplant. "3 World Trade Center" wird wohl erst 2018 eröffnet. Wann und ob sein Nachbar "2 World Trade Center" fertiggestellt ist, scheint völlig unklar. Doch diese Bedenken werden weggeschoben. "Es ist einfach ein Fakt", sagt Dave Checketts, Chef der Betreiberfirma für die Aussichtsplattform, die 2015 im 100. und 101. Stock öffnen soll, am Dienstag. "Wir sind zurückgekommen. Wir haben das Gebäude zurückgebracht."
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