Wissenschaftler entdecken älteste bekannte Rebsorte Heunisch in Heidelberg
Elternteil moderner Züchtungen

Anfang des neuen Jahrtausends machten Wissenschaftler eine sensationelle Entdeckung. In einem alten Weinberg in der Nähe von Heidelberg fanden sie alte Rebstöcke, die nach einer Genanalyse ihre Identität preisgaben.

Es handelte sich um die wahrscheinlich älteste bekannte Rebsorte Heunisch, die für viele "moderne" Züchtungen als ein Elternteil zu erkennen ist. In der einschlägigen Literatur war noch einiges über diese alte Rebsorte zu lesen. Doch in der Praxis hatte dies schon lange keine Bedeutung mehr. Mit Sicherheit fristeten noch einige verbliebene Rebstöcke irgendwo in der großen weiten Weinwelt Europas, vor allem im Osten, ihr Dasein.

Älteste Rebsorte

Doch davon wusste niemand, bzw. konnte diese alten Reben nicht namentlich benennen. So geschehen auch in einem alten Weinberg aus dem vorletzten Jahrhundert bei Heidelberg am Neckar. Erst eine Genanalyse brachte die Forscher zu der Erkenntnis, dass es sich um die wahrscheinlich älteste bis heute bekannte Rebsorte "Weißer Heunisch" handelt.

Bereits Ende der 1990er Jahre erschienen mehrfach Publikationen zur Abstammung von autochthonen, das heißt am Fundort heimischen Rebsorten. Überraschenderweise stellte sich heraus, dass der bis dahin als ausgestorben betrachtete Weiße Heunisch (syn. Gwäss - Schweiz, Gouais blanc - Frankreich) bei mehr als 70 Abstammungsanalysen als ein Elternteil gilt. So verdankt etwa der Riesling seine Säure dem Heunisch. Im Elbling, der vermutlich aus dem Mittelrheintal stammt und von den Römern bei ihren Eroberungsfeldzügen an Blies, Saar und Mosel (heute noch ca. 580 ha Rebfläche) verbreitet wurde, steckt ebenso die Rebsorte Heunisch wie in den modernen Rebsorten Auxerrois, Chardonnay, Gamay und vielen mehr.

Es handelt sich um eine Rebsortenfamilie, da es zudem die Varianten Grobheunisch, Gelber Heunisch, Roter Heunisch und Rot gestreifter Heunisch gibt. Heunisch ist eine anspruchslose, reich tragende Rebsorte mit weißgelben Beeren, die sonnenseits braun gefleckt sind. Wegen seines reichen Ertrages wurde Heunisch bis ins 19. Jahrhundert angebaut.

Vor allem im Mittelalter, als die Landbevölkerung noch den "Zehnten" Ertragsanteil an die Herrschaft abzugeben hatte, wurde Heunisch gerne als Massensorte angebaut. Die Weinqualität des "hunnischen" war gering, was aber an den Ausbaumethoden gelegen haben mag.

Kein Bezug zum Reitervolk

Dr. Erika Maul von Institut für Rebenzüchtung Geilweilerhof in Siebeldingen, beschreibt in ihren Publikationen die Ergebnisse ihrer Forschung mit molekulargenetischen Methoden, die überraschenden Ergebnisse und die daraus resultierenden Erkenntnisse über die Elternschaft der Rebsorte Heunisch bei zahlreichen modernen Rebsorten. Heunisch war bis Ende des 19. Jahrhunderts eine in Mitteleuropa wichtige Rebsorte. Durch spontane Kreuzung der Vitis vinifera silvestris (Wilde Weinrebe) mit einem Traminerklon und der Einkreuzung des Weißen Heunisch entstand die Sorte Riesling. Der Name Heunisch und die Bezeichnungen "hunnisch", "huntsch" oder "hünsch" wird oft mit den Hunnen in Verbindung gebracht. Allerdings gehen diese nicht auf das nomadisierende zentralasiatische Reitervolk aus der Zeit der Völkerwanderung zurück, sondern auf das Volk der Ungarn. Bis zum Spätmittelalter unterschied man in den deutschsprachigen Anbaugebieten zwischen hunnischen und fränkischen Reben.

Mit Wasser vermischt

Hildegard v. Bingen stellte in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts in ihrer "Physica" fest, der fränkische Wein sei ein starker Wein, der mit Wasser vermischt werden müsse, wohingegen der hunnische von Natur aus wässrig sei und nicht verdünnt genossen werden könne. Der Heunisch kann mit Traminer und Burgunder als Stammsorte der modernen mitteleuropäischen Rebsorten bezeichnet werden. (Weiterer Bericht/Hintergrund)
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