Wut auf Chicagos Straßen

Sie haben ein Recht, ärgerlich zu sein, und sie haben ein Recht zum Protest. Aber wir werden nichts zulassen, was kriminell ist.

16 Mal drückt Jason van Dyke ab. Der Polizist in Chicago feuert auf einen 17-jährigen Schwarzen, auch als der schon am Boden liegt. Ein Jahr später wurde jetzt das Video veröffentlicht. Mit schwerwiegenden Folgen für die Stadt.

Die Veröffentlichung des verstörenden Videos einer Polizeiaktion gegen einen schwarzen Jugendlichen hat in Chicago zu Protesten und Demonstrationen geführt. In der Nacht zum Mittwoch fanden sich einige Hundert Menschen zu Demonstrationen zusammen. In Randbezirken wurden von ihnen Straßen blockiert, es kam zu Handgemengen und fünf Festnahmen. Insgesamt wurde es aber weniger schlimm als die Polizei befürchtet hatte.

Tänzelnd in den Tod

Hintergrund: Vor gut einem Jahr, am 20. Oktober 2014, schoss der weiße Polizist Jason van Dyke auf Laquan McDonald, 17 Jahre alt. 16 Mal drückte er ab. Nur zwei Schüsse trafen McDonald im Stehen. Der Obduktionsbericht zeigt 14 weitere Einschüsse in Rücken, Kopf, Oberschenkeln und Armen des Jugendlichen. Einige Projektile durchschlugen den Körper. Am Dienstag hatte die Staatsanwaltschaft Van Dyke wegen Mordes angeklagt. Danach veröffentlichte die Polizei das Video.

Das Video zeigt, wie McDonald eine breite Straße entlangläuft, fast tänzelt. Es ist später Abend. In der rechten Hand hält er nach Polizeiangaben ein kurzes Messer, auf dem Video ist das schlecht zu erkennen. Mehrere Polizeiwagen halten, aus einem steigt Van Dyke aus.

Es gibt keinen Dialog zwischen Polizist und Jugendlichem. Sechs Sekunden nach Verlassen des Fahrzeugs beginnt Van Dyke zu feuern. Er ist mehrere Meter von McDonald entfernt, das Video zeigt keinerlei Bedrohung. Der junge Mann bricht nach den ersten Schüssen zusammen, krümmt sich auf dem Asphalt. Von den umstehenden Polizisten kümmert sich niemand um den am Boden Liegenden. Die Polizeigewerkschaft sagt, van Dyke habe aus Angst so oft geschossen. McDonald wurde verfolgt, weil er zuvor Autoradios gestohlen und den Reifen eines Polizeiwagens zerstochen haben soll.

"We gon' be alright"

Staatsanwältin Anita Alvarez sagte am Dienstag, sie habe die Anklage nach einjährigen Untersuchungen veröffentlichen wollen, bevor das Video gezeigt wird. Sie sagte, in den 30 Jahren ihrer Arbeit habe sie noch nie ein solches Video gesehen. Es ist nach Angaben des Senders MSNBC das erste Mal seit 35 Jahren, dass in Chicago ein Polizist wegen Mordes angeklagt wird.

Superintendent Garry McCarthy von der Chicagoer Polizei sagte in einer live übertragenen Pressekonferenz mit Bürgermeister Rahm Emmanuel, er verstehe den Zorn derer, die das Video sehen: "Sie haben ein Recht, ärgerlich zu sein, und sie haben ein Recht zum Protest. Aber wir werden nichts zulassen, was kriminell ist."

In der Nacht skandierten die Demonstranten "We gon' be alright", eine Zeile aus dem Song "Alright" von Kendrick Lamar. Für viele Schwarze ist dieser Song das "We shall overcome" ihrer Protestbewegung, auch den Aktivisten von "Black Lives matter" wird er oft zitiert. Viele Schwarze machten ihrem Zorn lautstark Luft, schimpften über Missstände an Schulen, schlechte Behandlung durch die Polizei und bezeichneten sich als "moderne Sklaven". Ein schwarzer Aktivist sagte der "Chicago Tribune": "Was wir gesehen haben, ist ein öffentliches Lynchen. Wir brauchen jetzt Raum für Protest. Es kann sein, dass nach all dem unsere Gefühle dabei etwas roh sind."
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