Zäune und Tränengas: Flucht auf neuer Route

Tumulte an der serbisch-ungarischen Grenze: Steine und Flaschen flogen, die ungarische Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein. Serbien protestierte. Nach Angaben des ungarischen Regierungsberaters György Bakondi wurden mindestens 20 Polizisten verletzt. Auch unter Flüchtlingen gab es nach Medienberichten Verletzte. Bild: dpa

Ungarn bleibt bei seiner harten Haltung - und setzt an der Grenze zu Serbien Tränengas und Wasserwerfer gegen Flüchtlinge ein. Tausende verzweifelte Menschen suchen nun neue Wege nach Nordwesten.

Nach Abriegelung der ungarischen Grenze stellen sich Kroatien und Slowenien auf die Durchreise Tausender Flüchtlinge ein. Der kroatische Regierungschef Zoran Milanovic kündigte am Mittwoch an, dass aus Serbien einreisende Migranten sein Land passieren dürften. Sollte es notwendig werden, werde in Absprache mit Slowenien ein Korridor in Richtung Österreich eingerichtet, erklärte der kroatische Innenminister Ranko Ostojic.

Randale am Drahtzaun

Um das Entstehen neuer Flüchtlingsrouten aus der Türkei zu verhindern, kündigten Griechenland und Bulgarien an, Grenzzäune zu verstärken. Ungarn will nun auch seine Grenze zu Kroatien absichern. Das sagte der ungarische Regierungschef Viktor Orbán der "Welt". Zuvor hatte Budapest einen Zaun an der Grenze zu Rumänien angekündigt. An der ungarischen Grenze zu Serbien griffen aufgebrachte Menschen die Absperrungen am Grenzübergang Röszke an. Mehrere Hundert junge Männer warfen am Mittwoch Steine und Flaschen gegen die ungarischen Polizisten und durchbrachen die Sperrgitter. Die ungarischen Sicherheitskräfte drängten die Menge mit Wasserwerfern und Tränengas zurück. Das Gros der Flüchtlinge zog indes von der Grenze ab und versuchte, über Kroatien in den Westen zu gelangen.

Das Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Dienstagabend hat bei den Ministerpräsidenten der Bundesländer weitreichende Erwartungen für den Flüchtlingsgipfel am Donnerstag kommender Woche geweckt. So sagte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD), die angekündigte Bereitstellung von 40 000 Erstaufnahmeplätzen für Flüchtlinge durch den Bund sei "sehr hilfreich". Der Bund will die Länder bei der Erstaufnahme und Verteilung von Flüchtlingen stärker entlasten - darauf verständigten sich Merkel und die Ministerpräsidenten bei dem Sondertreffen. "Der Bund wird gemeinsam mit den Ländern in Zukunft nach dem "Königsteiner Schlüssel" auch die Verteilung der Flüchtlinge auf die einzelnen Länder managen", kündigte Merkel an. So sollten Verteilzentren geschaffen werden.

EU-Parlament stimmt ab

Das Europaparlament macht Druck auf die EU-Staaten, sich auf die Verteilung von weiteren 120 000 Asylsuchenden zu einigen. Abgeordnete forderten am Mittwoch in Brüssel parteiübergreifend einen schnellen Beschluss. Im Eilverfahren wird das Parlament heute über die Notfallmaßnahmen abstimmen. Merkel pocht auf die Einberufung eines EU-Sondergipfels zur Flüchtlingskrise in der kommenden Woche.

Auf dem Salzburger Hauptbahnhof warteten am Mittwoch bis zu 2000 Menschen, 1200 hatten die Nacht in einer Tiefgarage in der Nähe verbracht. Hunderte machten sich am Mittwoch zu Fuß auf den Weg über die nahe Grenze nach Freilassing. Nach Angaben der Bundespolizei erreichten bis zum Nachmittag etwa 600 Flüchtlinge Bayern auf diesem Weg. Entlang des Grenzflusses Inn wurden in den Landkreisen Passau und Rottal-Inn seit Dienstag mehr als 1000 Menschen aufgegriffen.
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