Zahl der offenen Stellen auf Spitzenwert - Sozialministerin: mehr Öffnung für Migranten
Arbeitslosenzahl in Bayern sinkt auf 256.600

Die Zahl der Arbeitslosen in Bayern ist durch den Frühjahrsaufschwung im April kräftig auf 256 600 gesunken. (Bild: dpa)
Nürnberg. (dpa/epd) Volle Auftragsbücher der Industrie und der wachsende Bedarf an Pflegern und Sozialbetreuern hat die Zahl der offenen Stellen in Bayern auf einen neuen Spitzenwert steigen lassen. Wie sich das auf die Zahl der Arbeitslosen auswirkt, hat die Arbeitsagentur in Nürnberg bekanntgegeben.

Die Zahl der Arbeitslosen in Bayern ist durch den Frühjahrsaufschwung im April kräftig auf 256 600 gesunken. Das waren 7,7 Prozent weniger als im März, wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit am Donnerstag in Nürnberg mitteilte. Die Arbeitslosenquote ging um 0,3 Punkte auf 3,7 Prozent zurück.

Im Vergleich zum Vorjahr ist die Entwicklung ebenfalls positiv: Im April 2014 waren in Bayern noch 5200 Menschen mehr auf Jobsuche als jetzt. «Diese gute Lage gilt es zu nutzen, um insbesondere Personengruppen zu integrieren, die es bislang schwerer haben, ihre Arbeitslosigkeit zu beenden», betonte Behörden-Chef Markus Schmitz etwa mit Blick auf Langzeitarbeitslose.

Migranten häufig unter ihrer Qualifikation beschäftigt

Der Arbeitsmarkt im Freistaat muss sich Bayerns Sozialministerin Emilia Müller (CSU) zufolge mehr für Migranten öffnen. Schon jetzt habe man zwar die höchste Beschäftigungsquote von Migranten im bundesweiten Vergleich, sagte Müller am Mittwochabend in Veitshöchheim: «Trotzdem schaffen etliche nicht den Sprung in den Arbeitsmarkt oder werden dort weit unter ihren Qualifikationen beschäftigt.»

Wenn fertig ausgebildete Mediziner oder Ingenieure als Taxifahrer arbeiten müssten, sei das eine «Vergeudung von Ressourcen», betonte sie beim 12. Wirtschaftsforum Mainfranken der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw).

Müller forderte eine «Kultur der Anerkennung und Wertschätzung» für Migranten. Die für eine Anerkennung von Berufsqualifikationen nötigen Gesetze würden momentan auf Länder- und Bundesebene überarbeitet, der Staat leiste also seinen Beitrag: «Nun ist die Wirtschaft gefragt.» Es könne nicht sein, dass Unternehmen und Verbände ständig nach mehr Zuwanderung rufen, «und andererseits die bei uns lebenden Migranten außen vor lassen».

Aus Syrien etwa sei - anders als aus vielen anderen Ländern - der Mittelstand geflohen. Die Kontingentflüchtlinge seien gut ausgebildet, «und wo es noch hakt, müssen wir Weiterbildung bieten».

Flüchtlinge oft sehr motiviert und leistungsfähig

Von ihren Vor-Ort-Besuchen im Freistaat wisse sie, dass gerade junge Flüchtlinge, die ohne ihre Eltern nach Deutschland gekommen seien, oft sehr motiviert, interessiert und leistungsfähig seien. «Denen müssen wir eine Perspektive geben - auch vonseiten der Wirtschaft», sagte Müller.

Alleine in diesem Jahr würden nach aktuellen Berechnungen rund 5.000 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge nach Bayern kommen, die Schutz und Unterkunft suchten, aber eben auch eine Zukunftsperspektive. Die Staatsregierung wolle, dass diese jungen Menschen «ihre Ausbildung hier machen und hier arbeiten können», erläuterte die Ministerin.

Insgesamt muss die Arbeitswelt Müller zufolge «noch altersgerechter, familiengerechter, migrationsgerechter und teilhabegerechter» werden. Die Wirtschaft und die gesamte Gesellschaft könnten es sich angesichts des Fachkräftemangels nichtleisten, Ressourcen brachliegen zu lassen.
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