Zehnfache Prämie für Brandschutzversicherung - Landrat: "Diskriminierung"
Versicherer langen bei Asylbewerbern zu

Das ist nicht nur eine Sauerei, sondern auch eine Diskriminierung erster Klasse.

Dem Kreis Neustadt/WN wird es schwerer gemacht, Flüchtlinge dezentral unterzubringen. Nach dem Einzug von Asylbewerbern fordert die Brandschutzversicherung die zehnfache Prämie. Landrat Andreas Meier spricht von Diskriminierung.

Statt bisher etwa 1200 Euro im Jahr verlangt der Brandschutzversicherer eine Prämie von rund 10 500 Euro für das Miethaus des Landkreises Neustadt/WN. Der Grund: In eine der Wohnungen ist eine Asylbewerber-Familie eingezogen. Kein Einzelfall. Quer durch Deutschland berichten Vermieter von dramatisch steigenden Prämien, wenn das Haus oder Teile davon als Flüchtlingsunterkunft genutzt werden. In einigen Fällen kündigten die Versicherer sogar den Vertrag.

Der Neustädter Landrat Andreas Meier (CSU) ist angesichts der Prämienerhöhung empört: "Das ist nicht nur eine Sauerei, sondern auch eine Diskriminierung erster Klasse." Angesichts dieser Praxis muss der Kreis um die dezentrale Unterbringung fürchten. Daran will Meier aber festhalten. Der Landrat hält dies für den besseren Weg, die Leute zu integrieren. "Wir versuchen, dies solange wie möglich durchzuhalten."

Asylunterkünfte gelten seit den Anschlägen der 1990er Jahre als erhöhtes Risiko bei Versicherungen, berichtet ein Verwaltungsfachmann. Ein Sprecher des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft verweist darauf, dass mit der Nutzung als Flüchtlingsunterkunft eine Gefahrerhöhung stattfinde. Auch beim bayerischen Städtetag heißt es, es sei bekannt, dass Gebäude mit Asylbewerbern eine andere Risikoeinstufung erfahren.

Der bayerische Landkreistag führte wegen des Problems bereits Gespräche mit der Versicherungswirtschaft und dem bayerischen Sozialministerium. Dort heißt es nur, die Problematik sei bekannt. "Wir stehen derzeit dazu mit der Versicherungswirtschaft in Gesprächen." In diese sollen auch Wirtschafts- und Finanzministerium eingebunden werden.

Der deutsche Landkreistag verweist darauf, dass diejenigen, die für die Unterbringung aufkommen müssen, auch die Prämien übernehmen. Im Fall Neustadt wäre dies der Freistaat, und damit der Steuerzahler.
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