Zehntklässler sollen an einem Tag in der Woche länger bleiben - Gute Noten von Gymnasiallehrern
"Mittelstufe plus": Nur einmal nachmittags

Die neue "Mittelstufe plus" an den bayerischen Gymnasien soll nun doch weitestgehend ohne Nachmittagsunterricht auskommen. Das erklärte Kultusminister Ludwig Spaenle im Bildungausschuss des Landtags. Trotzdem erhalten die dort unterrichteten Schüler im Vergleich zum regulären G8-Zug 17 zusätzliche Wochenstunden, vor allem in den Kernfächern Deutsch, Mathematik und Fremdsprachen. Lediglich in der 10. Klasse sei an einem Nachmittag verpflichtender Unterricht vorgesehen, so Spaenle. Die "Mittelstufe plus" soll ab dem kommenden Schuljahr an bayernweit 30 bis 40 Gymnasien zwei Jahre lang erprobt werden. Die im Regelzug auf drei Schuljahre angelegte Mittelstufe zwischen der 8. und 10. Klasse kann dort in vier Jahren absolviert werden. Schüler, die das Angebot besuchen wollen, müssen einen "entsprechenden pädagogischen Bedarf anmelden", erklärte Spaenle. Die "Mittelstufe plus" sei deshalb als "klares Fördermodell" konzipiert.

Laut Spaenle soll in der "Mittelstufe plus" der Lernstoff anders verteilt werden. "Dies wird die Lerngeschwindigkeit spürbar verändern", sagte er. Vor allem in den Kernfächern könnten die Inhalte intensiver behandelt werden. Durch das Zusatzjahr ("9+") komme es auch zu einer Reduzierung der Fächerzahl pro Jahrgangsstufe. Die am Modellversuch beteiligten Gymnasien erhielten vier zusätzliche Lehrerwochenstunden, kündigte Spaenle an. "Die Mittelstufe plus bietet Schülern bei pädagogischem Bedarf eine umfangreiche zusätzliche Förderung", sagte er. Der SPD-Bildungspolitiker Martin Güll forderte Spaenle auf, statt der "Mittelstufe plus" endlich ein "echtes G9-Konzept" für die Gymnasien vorzulegen. "Die Mittelstufe plus ist ein bayerischer Sonderweg, der in die Sackgasse führt", erklärte Güll. Das Modell sei eine "weitere Reparaturmaßnahme für das gescheiterte G8, die keine Ruhe in das Gymnasium bringen wird". Spaenle habe offenbar noch immer keine Vorstellung, wer in die "Mittelstufe plus" über welches Verfahren gehen dürfe. Dagegen erklärte Günther Felbinger (Freie Wähler), die neue Variante gehe "in die richtige Richtung". Es stünden aber immer noch viele offene Fragen im Raum. "Ein klares Konzept sieht anders aus", urteilte Felbinger.

Positiv überrascht reagierte der Bayerische Philologenverband. Mit seinen Ausführungen sei Spaenle den Wünschen und Vorstellungen von Eltern, Schülern und Lehrern entgegengekommen, erklärte der Verbandsvorsitzende Max Schmidt. Mit dem weitgehenden Verzicht auf Nachmittagsunterricht und den zusätzlich eingebauten Stunden erhöhe sich die Attraktivität des Modells. BLLV-Chef Klaus Wenzel sprach von "kosmetischen Scheinreformen". Für die Mehrzahl der Schüler an den Gymnasien werde es zu keinen greifbaren Verbesserungen kommen.
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