Zeitschrift "Charlie Hebdo" erhält Potsdamer Medienpreis "M100"
Symbol für Meinungsfreiheit

Das französische Satiremagazin "Charlie Hebdo" ist mit dem "M100 Media Award" ausgezeichnet worden. Der Chefredakteur des Magazins, Gérard Biard, nahm den Preis auf dem Medientreff "M100 Sanssouci Colloquium" in Potsdam entgegen. Bei einem islamistischen Anschlag auf die Redaktion von "Charlie Hebdo" in Paris waren am 7. Januar zehn Journalisten ermordet worden.

Die Konferenz in Potsdam stand unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen. Biard sagte, durch den Anschlag sei "Charlie Hebdo" innerhalb von Minuten zum weltweiten Symbol für Meinungs- und Gewissensfreiheit geworden. "Wir wurden zu Helden", sagte er. "Lassen Sie mich aber sagen: Das ist nicht unsere Aufgabe."

Tote geehrt

Es sei nicht die Rolle einer Zeitschrift, ein Symbol zu sein. "Die Überzeugungen und Werte, für die wir eintreten, sind universelle Werte und als solche gehören sie allen Bürgern dieser Welt", betonte Biard. "Daher sollten sich alle Bürger der Welt diese Werte zueigen machen und für sie eintreten."

Der Schriftsteller und Strafverteidiger Ferdinand von Schirach unterstrich in seiner Laudatio, jeder hätte es verstanden, wenn die Journalisten von "Charlie Hebdo" nach dem Anschlag nicht weitergearbeitet hätten. "Dass Sie und Ihre Kollegen es doch getan haben, dass es "Charlie Hebdo" noch gibt, das ist ein Trotzdem", sagte Schirach. "Dieser Preis heute ehrt die Toten. Und er ehrt die Überlebenden."

"Charlie Hebdo" hatte sich in den vergangenen zehn Jahren auf knapp 20 von insgesamt 520 Heft-Titeln mit dem Propheten Mohammed und den Themen Islam und Islamismus beschäftigt. Die religionskritischen Karikaturen hatten in Frankreich immer wieder Kontroversen ausgelöst.

Im Juli sagte Herausgeber Laurent Sourisseau dem Nachrichtenmagazin "Stern", den Propheten künftig nicht mehr karikieren zu wollen. Erst vor wenigen Tagen erntete das Magazin erneut Kritik wegen zwei Karikaturen mit dem vor zwei Wochen ertrunkenen Flüchtlingsjungen Aylan Kurdi. Eine davon zeigte den an den Strand gespülten Jungen neben einer Werbung für Kindermenüs der Fastfood-Kette McDonalds und dem Satz: "So nah am Ziel...".

Kritik an Karikatur

Den "Potsdamer Neuesten Nachrichten" sagte Biard, er würde sich gerne erklären lassen, was an der Karikatur rassistisch sei. Es gibt dieses Foto "und wir machen trotzdem weiter wie bisher, stellen unsere Fast-Food-Reklame auf", sagte er.
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