Zeugen himmlischer Hilfe

Votivbilder an Wallfahrtsorten sind oft rührende Zeugnisse menschlicher Hilfsbedürftigkeit und Heilserwartung. Was ihnen einen besonderen Reiz verleiht, ist das selbstverständliche Beieinander verschiedener Welten.

"Pinakotheken der Gnade" hießen früher die mit sogenannten Votivbildern ausgestatteten Wallfahrtskirchen. Zum 800. Fahrenberg-Jubiläum 2004 wurden Fotografien von fünf Fahrenberger Votivbildern angefertigt. Heimatforscher Franz Bergler gab diese Aufnahmen an Kunstmaler Hans Ringholz zur Reproduktion.

Verloren gegangen

"Die letzten Reste der Fahrenberger Votivbilder sind erst in jüngerer Zeit, in den Jahren nach 2004, aus Unwissenheit oder Unachtsamkeit verloren gegangen. Durch die Vorlagen war es nun möglich, diese originalgetreu zu nachzubilden", erklärte Bergler. Der 83-jährige Künstler setzte diese anspruchsvollen Arbeiten in seinem Atelier seit Weihnachten um. Bis Ende Mai sind die Kunstwerke im Schaufenster des Hauses von Hans Würschinger, Am Marktplatz 26, in Vohenstrauß zu sehen.

Wetterfeste Holzplatten

Ringholz hat die Votivbilder mit Ölmalerei auf wetterfesten Leimholzplatten fixiert. Nach der Innenrenovierung der Wallfahrtskirche werde man die Kunstwerke dort in einer vom Waldthurner Schreiner Alois Bäumler gefertigten Holzvitrine ausstellen.

"Ex voto", auf Deutsch "aus Dank", ist auf den Bildern zu lesen. Drei Dinge sind auf einem Votivbild zu sehen: Das Gnadenbild oder der Heilige, an den man sich wendet, der Bittsteller, sowie das Anliegen beispielsweise bei einem Augenleiden die Augendarstellung. Votivgaben werden als Raritäten einer Wallfahrt bezeichnet. Zu den Pilgerbräuchen aus früherer Zeit zählte auch das Stiften von Votivbildern am Wallfahrtsort. Da findet man einen Unglücksfall, eine Krankendarstellung oder eine Viehherde, die der himmlischen Hilfe bedarf.

Über dem irdischen Drama schwebt das Gnadenbild im Strahlenkranz, dazwischen sind oft ohne Beziehung zum Bildgeschehen die Bittsteller. Sie knien in der Kirchenbank mit auf der Weide, sie flehen um Hilfe, während sich daneben das eigene Unglück abspielt. Das älteste Fahrenberg-Votivbild von 1789 stammt von einem Bittsteller namens Andreas Bogner, der von einen "bessen Fuß" geheilt wurde.

Die Stifterepoche endet heuer. Vor dem Fahrenberger Gnadenbild und der Wallfahrtskirche fleht ein Bittsteller in seinem Anliegen.
Weitere Beiträge zu den Themen: Mai 2015 (7908)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.