Zitterpartie in Erfurt

Bodo Ramelow (Linke) zeigt stolz den unterzeichneten Koalitionsvertrag. Bild: dpa

Noch ist Rot-Rot-Grün in Thüringen nicht durch. Die Unterschriften stehen unter dem Koalitionsvertrag. Aber die Wahl des ersten Linke-Ministerpräsidenten könnte zur Zitterpartie werden. Die CDU will Ramelow verhindern.

Die erste rot-rot-grüne Koalition in Deutschland ist bereit zur Regierungsübernahme - die letzte Hürde steht ihr aber noch bevor. Fast drei Monate nach der Landtagswahl in Thüringen unterzeichneten Linke, SPD und Grüne am Donnerstag den Koalitionsvertrag. Heute soll Bodo Ramelow im Landtag zum ersten Ministerpräsidenten der Linken gewählt werden. Er rechnet damit, dass das trotz der knappen Mehrheit von nur einer Stimme bereits im ersten Wahlgang klappt. "Es wird politisch nichts schief gehen", zeigte sich der 58-Jährige überzeugt, der noch am Freitag auch seine Ministerriege berufen will.

Rot-Rot-Grün hat 46 Sitze im Landtag, die bisherige Regierungspartei CDU 34 und die rechtspopulistische AfD 11. Sollte es bei Linken, SPD und Grünen Abweichler geben, wäre das Regierungsprojekt in Gefahr. Die seit 24 Jahren ununterbrochen regierende CDU pokerte bis zuletzt, um Ramelow noch zu verhindern.

Ex-Regierungschef Bernhard Vogel (CDU) schlug den parteilosen früheren Rektor der Jenaer Universität, Klaus Dicke als Gegenkandidaten vor, sollte Ramelow in zwei Wahlgängen scheitern. CDU-Fraktionschef Mike Mohring begrüßte den Vorschlag und nahm sich selbst damit indirekt als möglichen Gegenkandidaten aus dem Rennen. "Wir wollen Bodo Ramelow verhindern", sagte er. Mit einem Parteilosen würde Abweichlern von Rot-Rot-Grün ein Angebot gemacht. (Seite 8)
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