Zögerlicher Guttenberg

CSU-Chef Seehofer rekrutiert Ex-Verteidigungsminister Guttenberg ins Kompetenzteam. Doch der will nur ein ganz bisschen helfen. In der CSU-Spitze gibt es ohnehin keine ausgeprägte Gutti-Sehnsucht.

Nun hat CSU-Chef Horst Seehofer es geschafft: Der 2011 gestürzte Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg will seiner Partei bei der Vorbereitung von Bundes- und Landtagswahl 2017 und 2018 helfen - zumindest ein ganz klein wenig, als Berater im Kompetenzteam. Von einem neuerlichen Comeback-Versuch kann keine Rede sein. "Karl-Theodor zu Guttenberg, Chairman von Spitzberg Partners LLC" lege Wert darauf, dass er "auf absehbare Zeit seinen Lebensmittelpunkt in den USA" behält, teilte die CSU am Freitag mit. Über die Teil-Reaktivierung hatte zuerst die "Süddeutsche Zeitung" berichtet.

Nachdem Guttenberg 2011 sowohl Ämter als auch Deutschland fluchtartig verlassen hatte, schmähte Seehofer ihn Monate später als "Glühwürmchen". Doch das hinderte den CSU-Chef nicht, immer wieder Interesse an einer Mitarbeit des Freiherrn zu bekunden. Der startete ohne Seehofers Zutun einen Comeback-Versuch, der in die Hose ging. Wahlweise als "KT" oder "Gutti" bekannt, legte Guttenberg eine Sendepause ein. Erst im Januar 2014 trat er wieder in Deutschland auf. Guttenberg nutzte die Gelegenheit, seinerseits Seehofer etwas mitzuteilen: Er freue sich, eigene Themen zu haben - und nicht gefragt zu werden, "ob ein Glühwürmchen den Oberglühwurm getroffen hat".

Und nun? Um ins politische Rampenlicht zurückzukehren, müsste Guttenberg wieder ein Spitzenamt anstreben. Doch hat er sich weit zurückgezogen. Das gilt auch für die Basis im heimischen Oberfranken. Er habe schon lange keinen Kontakt mehr gehabt, berichtet ein örtlicher CSU-Mandatsträger.

Stirnrunzeln bei Söder?

Der Name Guttenberg elektrisiert immer noch. Es gilt aber als unwahrscheinlich, dass an der CSU-Basis laute Rufe nach einem Gutti-Comeback erschallen. "Ich denke, das Thema Guttenberg hat sich erledigt, was herausragende Ämter betrifft", sagt ein CSU-Mann. Im Kreis der potenziellen Seehofer-Nachfolger wurde der ohnehin nie vermisst. Unbekannt ist, ob und wie tief sich nach Bekanntwerden der Nachricht die Stirn von Finanzminister Markus Söder in Falten legte - dem Ex-Hauptrivalen.
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