Zulieferer geraten in den Sog von Pkw-Bestechungsaffären - Festnahmen
Schmiergeld: Ermittler auch bei Grammer

Ist bei Grammer Bestechungsgeld gezahlt worden, wie unser Fotograf hier symbolisch andeutet? (Bild: Unger)

Bei einer hausinternen Revision will der renommierte Amberger Fahrzeugsitzhersteller Grammer Klarheit darüber schaffen, ob es in seinem Haus zur Zahlung von Bestechungsgeldern gekommen ist. Vor wenigen Tagen hatte die Staatsanwaltschaft München I diesen Verdacht erhoben und zwei Grammer-Mitarbeiter festnehmen lassen.

Die Aktion im Grammer-Zweigbetrieb Immenstetten bei Amberg und in der Amberger Verwaltungszentrale des in dreizehn Ländern mit Niederlassungen tätigen Konzerns war offenbar von längerer Hand vorbereitet. Geführt von Staatsanwälten kamen am 22. September Spezialbeamte des Münchner Polizeipräsidiums und der unterstützend tätig werdenden Kripo Amberg. Sie beschlagnahmten zahlreiche Unterlagen, nahmen zwei Grammer-Bedienstete mit.

Während die federführend alle Ermittlungen leitende Münchner Oberstaatsanwältin Regina Sieh am Donnerstag in den Vormittagsstunden auf Nachfrage unserer Zeitung äußerte, es sei "zu früh, um Einzelheiten mitzuteilen", gab das Unternehmen Grammer am Nachmittag NT/AZ-Journalisten Gelegenheit zu einem Gespräch in der Verwaltungszentrale.

Dabei legte Firmensprecherin Barbara Zanzinger eine insgesamt 17 Zeilen umfassende Erklärung vor. In dieser Mitteilung heißt es einleitend: "Im Zuge der vor einigen Wochen bekannt gewordenen Ermittlungen im Zusammenhang mit Bestechungsvorwürfen gegen einen deutschen Automobilhersteller sind auch Namen von Zulieferern genannt worden". Die fragliche Aktion datiert zurück auf den Juli 2005, als per Anordnung der Staatsanwaltschaft München ein Mitarbeiter des Automobilherstellers BMW und der Bedienstete einer Autokomponenten herstellenden Firma im Raum Zwickau/Sachsen verhaftet wurden. Es ging um rund 100 000 Dollar Schmiergeldzahlungen.

Im Zusammenhang mit diesem Verfahren gibt es nun offenbar einen Beschuldigten, der in den Jahren 1998 bis 2003 dem Unternehmen Grammer als externer Dienstleister zur Verfügung stand. Allem Anschein nach machte er unterdessen Angaben, die in Richtung Grammer zielen. "In diesem Zusammenhang", so Firmensprecherin Zanzinger, "hat die Ermittlungsbehörde eine Reihe von Fragen an uns gerichtet".

Auf Weisung des Vorstandes hat das an der Börse notierte Unternehmen, dem weltweit 7000 Mitarbeiter angehören, unverzüglich eine hausinterne Revision angeordnet. "Wir sorgen für eine lückenlose Sonderprüfung", unterstrich Barbara Zanzinger und fügte hinzu: "Die Grammer AG hat der Staatsanwaltschaft uneingeschränkte Unterstützung zugesichert".

Details allerdings würden sich zum jetzigen Zeitpunkt verbieten, "um die Untersuchungen nicht zu gefährden". "Wir brauchen Zeit, um die Unterlagen auszuwerten", sagte Oberstaatsanwältin Sieh im Zusammenhang mit der von ihr ins Rollen gebrachten Aktion in Amberg. Erst danach wird sich wohl der Nebel darüber lichten, ob und in welcher Höhe Bestechungsgelder flossen.
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