Zur Explosion in China ermittelt jetzt der Staatsanwalt
Angst vor Schadstoffen

Der chinesische Generalstaatsanwalt will prüfen, ob illegale Praktiken zu der Katastrophe im Hafen von Tianjin mit 112 Toten geführt haben. Er werde zusammen mit örtlichen Behörden Belege für Machtmissbrauch oder Amtspflichtverletzung suchen, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua am Sonntag. Die Wahrheit über das Ausmaß der Katastrophe tritt nur langsam zutage. 95 Menschen wurden am Sonntag noch vermisst, darunter 85 Feuerwehrleute.

Geringe Chancen

Doch vier Tage nach den ersten Explosionen in dem Gefahrgutlager seien die Chancen "gering", noch Überlebende zu finden, schrieben Staatsmedien. "Einige hundert Tonnen" hochgiftiges Natriumcyanid und andere Chemikalien waren dort nach Militärangaben gelagert. Unter den zehn Millionen Einwohnern der Metropole nur 120 Kilometer östlich von Peking geht die Angst vor gefährlichen Stoffen in Luft und Wasser um.

In Krankenhäusern wurden am Sonntag noch 698 Verletzte behandelt. Darunter sind 57 Schwerverletzte. Die Tragödie enthüllte nach Ansicht der Regierung einen "lockeren" Umgang mit gefährlichen Chemikalien. China müsse "äußerst tiefgreifende Lehren ziehen, die mit Blut bezahlt wurden", sagte Staats- und Parteichef Xi Jinping. Im Land wurden Sicherheitsinspektionen angeordnet. Premier Li Keqiang besuchte am Sonntag die Unglücksstelle. Nach Protesten verärgerter Familien räumten die Behörden ein, dass möglicherweise viel mehr Feuerwehrleute ums Leben gekommen sein könnten als zunächst bekanntgegeben. Unter den Vermissten seien 13 Löschkräfte der offiziellen Feuerwehr und 72 weitere Brandbekämpfer, die von dem Hafenbetreiber frei angeheuert worden seien. Der Tod von 21 Feuerwehrleuten ist bereits bestätigt.

Wichtiger Umschlagplatz

Das Unglück ist ein schwerer Schlag für das Wirtschaftszentrum Tianjin, das ein wichtiger Umschlagplatz ist. Der Binhai-Distrikt trägt zu 55 Prozent zur Wirtschaftsleistung der Metropole bei.
Weitere Beiträge zu den Themen: Weltgeschehen (20753)August 2015 (7425)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.