Zweites "Balkan-Zentrum" kommt nach Bamberg

Die Pläne der Staatsregierung für die schnellstmögliche Abschiebung chancenloser Asylbewerber vom Balkan nehmen Gestalt an: Nach dem oberbayerischen Manching ist die zweite Standort- Entscheidung gefallen.

Die Staatsregierung wird das zweite "Aufnahme- und Rückführungszentrum" für chancenlose Asylbewerber vom Balkan in Bamberg eröffnen. Darauf haben sich Stadtverwaltung und Staatsregierung verständigt, wie am Donnerstag aus informierten Kreisen zu erfahren war. Das erste dieser umstrittenen Abschiebe-Zentren ist im oberbayerischen Manching geplant und soll bereits am 1. September in Betrieb gehen.

An beiden Standorten sollen jeweils etwa 1500 Asylbewerber aus Albanien und anderen südosteuropäischen Ländern untergebracht werden. In Manching handelt es sich um eine leere Bundeswehr-Kaserne, in Bamberg um ehemaliges US-Militärgelände. Die US-Armee hatte dort im vergangenen Jahr 450 Hektar Kasernen und Siedlungen geräumt - ein Zehntel der Stadtfläche. Etliche Gebäude, in denen Soldaten mit ihren Familien gelebt hatten, stehen seitdem leer. Innenminister Joachim Herrmann (CSU) rechnet wegen der steigenden Flüchtlingszahlen damit, dass andere Bundesländer dem bayerischen Beispiel folgen werden und Asylbewerber vom Balkan schnell abschieben wollen.

Der CSU-Politiker geht davon aus, dass die derzeitige Prognose des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge um ein Drittel übertroffen werden könnte: "Wir steuern auf 600 000 und mehr zu", sagte Herrmann in Manching. Das Bundesamt rechnet bisher mit 450 000 Asylbewerbern in Deutschland in diesem Jahr. Bundesinnenminister Thomas de Maiziére (CDU) will kommende Woche eine neue Prognose veröffentlichen. Allein von Dienstag auf Mittwoch seien mehr als 1600 Asylbewerber in Bayern angekommen, sagte Herrmann.

Die Suche nach neuen Flüchtlingsunterkünften ist mit den zwei Standortentscheidungen aber nicht beendet. Die Staatsregierung hat vor allem leerstehende Kasernen im Blick: "Wir wollen jede Bundeswehr-Liegenschaft anschauen", sagte Herrmann. (Kommentar)
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