Zwischen Stall und Stadtbau

Nach dem Büro zu den Kühen: Christian Lauberger wird den Hof von seinem Vater Josef übernehmen. Bild: Hinterberger

Mehr als jeder zweite Bauernhof im Freistaat wird im Nebenerwerb betrieben. Ein hartes Brot. Und die Landwirte beklagen jede Menge Knüppel zwischen den Beinen.

Im Stall füttert Christian Lauberger 40 Milchkühe. In der mittlerweile vierten Generation bewirtschaftet seine Familie den Hof an der Staatsstraße zwischen Wiesent und Wörth (Kreis Regensburg) im Nebenerwerb. Er übernimmt ihn von seinem Vater. In Bayern werden 52 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe nebenerwerbsmäßig betrieben. Bei einem Pressegespräch auf dem Hof der Laubergers informierte der Bayerische Bauernverband (BBV) mit der Betreiberfamilie über Chancen und Probleme des Berufes.

"Nebenerwerbslandwirte sind eine tragende Säule unserer Gesellschaft", betonte der Sprecher der Nebenerwerbslandwirte des BBV-Bezirksverbands, Kreisobmann Johann Wilhelm. Ihre Arbeit habe hohe Bedeutung für die flächendeckende Landbewirtschaftung. Ohne die Landwirte im Nebenerwerb wäre zum Beispiel die Kulturlandschaft entlang der Donau undenkbar, ergänzte er. Die Politik dürfe den Landwirten deswegen keine Steine in den Weg legen.

Bürokratie, Flächenfraß, der Preisverfall bei Lebensmitteln oder Flutpolder, das seien alles Dinge, die die Existenz einer Bauernfamilie gefährden können. Hofbetreiber Josef Lauberger sprach vor allem die geplanten Flutpolder an: Diese könnten seinen Hof bedrohen. "Das ist bei uns ein gewaltiges Problem", sagte er. Die Hälfte der Flächen der Familie liegt in Gebieten für die geplanten Polder. Allein diese Tatsache bringe schon eine Wertminderung der Grundstücke mit sich, erklärte Lauberger.

Gefahr durch Hochwasser

Noch schwerwiegender seien allerdings die Folgen für den landwirtschaftlichen Betrieb, sollten die Flutpolder tatsächlich in Betrieb genommen werden. Eine Überschwemmung der Flächen bringe eine Zerstörung des Bodens mit sich, erklärte der Landwirt. "Nach dem Hochwasser 2013 ist dort bis Herbst nichts gewachsen." Außerdem enthalte der durch das Hochwasser entstehende Klärschlamm oft gefährliche Stoffe. "Ich unterschreibe dafür, dass meine Produkte frei davon sind. Wie soll ich das dann noch machen?", fragte Lauberger in die Runde.

"Wir wollen nichts in Struktur und Entwicklung verhindern", erklärte BBV-Bezirkspräsident Franz Kustner. Es könne aber nicht sein, dass landwirtschaftliche Flächen für Ausgleichsflächen beim Straßen- oder Strommastenbau herangezogen werden. Ebenso sorgte sich Kustner um die derzeitige Preissituation. "In diesem Jahr sind die Preise so niedrig wie noch nie - in allen Bereichen, egal ob Milch oder Fleisch", betonte er. "Wenn das so weiter geht - das wird die Landwirtschaft nicht durchstehen", prognostizierte er.

Insgesamt gibt es in Bayern rund 110 000 landwirtschaftliche Betriebe mit einer Größe von mindestens einem Hektar. Davon werden 52 Prozent im Nebenerwerb bewirtschaftet. Die Oberpfalz liegt mit 6500 Betrieben genau im bayerischen Durchschnitt. Der Oberpfälzer Wald liegt mit gebietsweise über 60 Prozent zum Teil darüber. Die meisten Nebenerwerbsbetriebe finden sich in den Landkreisen Neumarkt, Amberg-Sulzbach und Regensburg.

"Alle helfen zusammen"

Als nebenerwerbsmäßig gilt ein Hof, wenn die Betreiber über 50 Prozent ihres Einkommens aus nicht-landwirtschaftlichen Tätigkeiten verdienen. Landwirt Josef Lauberger arbeitet zum Beispiel täglich vier Stunden bei der Regensburger Stadtbau. Auch seine Kinder gehen neben der Landwirtschaft anderen Berufen nach.

"Wenn es aber mal irgendwo brennt, helfen alle zusammen", freut sich das Familienoberhaupt. Dass alle anpacken ist auch wichtig, denn besondere Förderungen oder Bedingungen für Nebenerwerbsbetriebe gibt es nicht. Sie müssen die gleichen Auflagen erfüllen wie Vollbetriebe.
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