Alfons Guttenberger und sein Lebenswerk: Ein Eisstadion für Amberg
Ein Traum wird wahr

Den Bau einer Kunsteisbahn brauchten die Verantwortlichen des ERSC nicht zu bereuen. Gerne nahmen die Amberger das neue Angebot an und füllten die Eisfläche am Schanzl fast regelmäßig, wie auf diesem Bild aus den späten 60ern zu sehen ist. Bild: AZ-Archiv
 
Die richtigen Männer zur richtigen Zeit. Abteilungsleiter Anderl Fuchs (vorne) und weitere Mitglieder packten fleißig mit an. Bild: Guttenberger

Vergilbte Zeitungsartikel, alte Schwarz-Weiß-Bilder oder in die Jahre gekommene Chroniken benötigt Alfons Guttenberger nicht. Der 91-jährige ehemalige Vorsitzende des ERSC weiß noch ganz genau, wie das damals war, mit dem Eisstadionbau vor 50 Jahren.

Als ob es gestern gewesen wäre, redet Alfons Guttenberger über das Jahr 1964 - und damit auch über die Zeit, in der sich Eishockeyspieler und Kunstläufer noch den Englischen Garten teilten. Das Areal gehörte schon damals der Stadt, der noch relativ junge, 1950 gegründete ERSC wollte aber den Traum leben, ein eigenes Stadion zu haben.

Guttenberger, der seit 1956 Vereinsvorsitzender war und wie heute an der Werner-von-Siemens-Straße wohnte, musste nicht weit gehen, um auf der Suche nach einem geeigneten Grundstück fündig zu werden. "Ich wusste, dass nur dort gebaut werden könnte", sagt der ehemalige Geschäftsführer von Eisen Schmidt und meint damit den Schanzl und die Fürstenquelle, deren Nähe der Eis- und Rollsportclub so dringend benötigte. Ohne das Wasser hätten Guttenberger und seine Weggefährten nicht bauen können. Sie brauchten die Quelle in erster Linie für die Eisbereitung und als Kühlwasser. Das war allen Beteiligten klar. Allen voran dem stellvertretenden Vorsitzenden Egmont Liebl, von Beruf Architekt - für den ERSC ein Glücksfall. Weitere Pioniere waren Lehrer Hermann Piana, der sich ums Geschäftliche kümmerte, und Maurer Rudolf Eichinger, der als Baumeister fungierte. Die Reihe komplettierten Ehrenmitglied Anderl Fuchs und sein Sohn Herbert, Erich Retzer, Robert Glaser, Hans Ostermeier, Mario Flierl, Wolfgang Fleck, Rudolf Bauer, Kurt Eichhorn, Alfons Breitkopf, Erich Murhauser, Friedrich Graf, Ludwig Bartl, Richard Weigl und Karl-Heinz Männer.

"Wir haben vier Jahre gebraucht, bis wir alles vorbereitet hatten", erzählt Alfons Guttenberger, denn der ERSC musste mit spitzer Feder rechnen - die Vereinskasse war alles andere als üppig gefüllt. Und so holten sich die Initiatoren nicht nur in Städten wie Nürnberg, Landshut oder Garmisch Tipps, sie ließen auch ihre geschäftlichen Beziehungen spielen. Die Firma Buchtal erklärte sich beispielsweise dazu bereit, vier Männer für zwei Wochen nach Amberg zu beordern - ohne etwa Geld dafür zu verlangen.

In den Morgenstunden des 2. April 1964 donnerten zwei Bergepanzer der US-Armee und ein Bulldozer auf das Gelände und machten so deutlich, dass die Erdarbeiten begonnen hatten. Der Standortkommandant der US-Streitkräfte in Amberg, Lieutenant Colonel Jack V. Dunham, hatte versprochen, das schwere Gerät zu stellen. Als das Areal platt genug war, ging's ans Eingemachte. Bis zu zehn Meter tief musste gegraben werden, um sämtliche Rohre unterzubringen.



Die Mitglieder halfen, wo es nur ging. Erich Retzer zum Beispiel nutzte jede freie Minute. Laut Vereinsstatistik kamen bei ihm über 600 unentgeltliche Stunden zusammen. "Das gibt's heute gar nicht mehr. Das kann auch keiner verlangen. Aber das damals war die richtige Zeit dafür" - davon ist Alfons Guttenberger überzeugt. Als Tausende von Kubikmetern Erde und Kies bewegt, 2000 Meter Rohrleitungen verlegt und eineinhalb Meter Beton aufgegossen waren, hatten die Amberger endlich ihr Eisstadion, das am 28. November 1964 offiziell in Betrieb ging. Doch damit war es noch nicht getan. "Der zweite Bauabschnitt sollte das provisorische Wirtschafts- und Maschinengebäude aus Holz durch einen Massivbau ersetzen", heißt es in der Chronik. Zudem entstand die erste befestigte Stehtribünen-Konstruktion und die bis heute existierende Sitztribüne. Unter der Berücksichtigung des Arbeitseifers der Mitglieder wurden die Kosten dieses Abschnittes auf weitere 400 000 Mark kalkuliert. Am 12. April 1967 begannen die Arbeiten. Die tatsächlichen Ausgaben betrugen rund 220 000 Mark. Am 23. November 1967 feierte der Verein Richtfest. Insgesamt kostete das Stadion laut Vereinsangaben etwa eine Million Mark.


Trotz einer gewissen Unsicherheit ergriff der 1979 immer noch amtierende Guttenberg erneut die Initiative und wagte das nächste Großprojekt - die Überdachung. Doch es gab Widerstand. "Wer soll das bezahlen?", hieß es laut des Vorsitzenden, der im damaligen CSU-Landtagsabgeordneten Toni Donhauser einen Unterstützer fand. Er habe dem Verein Zuschüsse des Freistaats von 800 000 Mark beschert. Mit dem Abstand von 35 Jahren sagt Alfons Guttenberger jetzt: "Wenn ich den Toni Donhauser nicht gehabt hätte, hätten wir das alles gar nicht machen können."
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