Andreas Dresen verfilmt Debütroman des Leipzigers Clemens Meyer - Beeindruckende Ästhetik
Fünf Jungs träumen vom prallen Leben

Andreas Dresen ist ein echter Menschenfreund. Der 51-jährige Regisseur von Filmen wie "Halt auf freier Strecke", "Wolke 9" und "Halbe Treppe" inszeniert seine Filmfiguren stets mit viel Herz und Verständnis für ihre Probleme und Eskapaden. Und so identifiziert sich auch der Zuschauer immer schnell mit Dresens Filmhelden. Die Jungs in seinem neuem Film "Als wir träumten" sind auf den ersten Blick allerdings keine reinen Sympathieträger.

Dani, Pitbull, Mark, Rico und Paul ziehen kurz nach der Wende gerne vollgetankt mit Alkohol durch Leipzig, klauen Autos und zerstören im lustvollen Gewalt-Rausch alles, was sich ihnen in den Weg stellt. Später machen die 17-Jährigen einen Techno-Club auf, müssen sich gegen Neonazis wehren, finden Selbstbestätigung im Boxen, suchen nach Liebe und landen im Drogensumpf.

"Als wir träumten" ist die sehr werktreue Verfilmung des Debütromans des preisgekrönten Leipziger Schriftstellers Clemens Meyer - und nach zahlreichen von Improvisation bestimmten Regiearbeiten Dresens wieder ein Film mit festem Drehbuch, geschrieben von dem 83-jährigen Wolfgang Kohlhaase ("Sommer vorm Balkon", "Die Stille nach dem Schuss").

Am Altersunterschied zwischen Drehbuchautor und Regisseur auf der einen und den halbwüchsigen Jungs im Film auf der anderen Seite könnte es denn auch liegen, dass der Ton im Film nicht immer stimmig ist. Der mehr als 500 Seiten starke Roman lebt von seinen kurzen, prägnanten und die Handlung vorantreibenden Dialogen. Die verrückte, chaotische Struktur des Romans entspreche der Zeit, in der er spiele, sagt Dresen.

Die Umsetzung der verschiedenen Zeit- und Erzählebenen in die Filmgeschichte gelingt dem Regisseur gut. Doch der Wechsel vom sanft melancholischen Off-Kommentar des Hauptdarstellers Dani (Merlin Rose) zu den manchmal etwas schwerfälligen Dialogen innerhalb der Clique klappt nicht immer. Beeindruckend ist dagegen der Emotionen erzeugende ästhetische Wechsel zwischen den grellbunten, in der DDR-Schulzeit der Jungs spielenden Rückblenden und dem grauen Nachwende-Leipzig, dem alle Farbe entzogen wurde.

Authentisch macht die Verfilmung auch, dass Dresen mit Merlin Rose, Julius Nitschkoff, Marcel Heuperman, Joel Basman und Frederic Haselon junge Schauspieler verpflichtet hat, deren Gesichter der Kinozuschauer nicht schon aus allzu vielen anderen Filmen kennt.
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