Boulevard statt Buckelpiste
Fahrbericht Suzuki Vitara 1.6 Allgrip Comfort+

Der Suzuki Vitara besticht durch zahlreichen Individualisierungsmöglichkeiten und kann unter anderem in 14 verschiedenen Farbkombinationen bestellt werden. Bild: Suzuki
Okay, outen wir uns mal als Suzi-Freund. Mit jedem Kratzer, den früher das Familienauto nach Ausflügen ins Jagdrevier nach Hause brachte, stieg die Erkenntnis, dass nur ein neuer Begleiter den Haussegen wieder gerade rücken konnte. So nahmen wir im Laufe der Jahre einen kecken Jimny, einen ritterlichen Samurai und schließlich zwei Vitara in Arbeit. Deshalb waren wir jetzt schon gespannt, wie sich der Neue schlägt.

Der hat das "Grand" verloren. Und das sieht man nicht nur, das merkt man auch. War der Vorgänger noch ein familientauglicher Geländewagen, poliert das aktuelle SUV das Lifestyle-Image auf. Gegen den Branchen-Trend haben die Japaner ihren Liebling geschrumpft. Im Sinne der Marketing-Strategen soll der Vitara ja eher über den Boulevard brettern als Buckelpisten bügeln. Dabei darf der "Suzi" sogar Kante zeigen. Auf den ersten Blick erinnert er ein bisschen an den Range Rover.

War früher der Einstieg in den Hochbeiner mühelos sogar mit Hut möglich, deutet der Passagier heute einen dezenten Kotau an, will er sich nicht den Kopf stoßen. Ansonsten passt das Raumangebot. Auch hinten, wenngleich der schmale Mittelsitz nur in Notfällen zum Einsatz kommen sollte. Das Ladeabteil zeigt für ein Auto dieser Größe eine respektable Größe und ist dank des variablen Ladebodens vielseitig nutzbar. Die Hecktüre schwingt jetzt nach oben und nicht mehr zur Seite auf.

Mit kecken Farben, die auch im Innenraum mit poppigem Zierat Kontraste setzen, machen die Japaner schon rein äußerlich deutlich, dass sie eine junge Klientel im Visier haben. Offenbar mit Erfolg. Wenn man der jüngsten Studie trauen darf, ist es einzig Suzuki gelungen, das Alter der Neuwagenkäufer zu senken. Um immerhin fünf Jahre.

Der Arbeitsplatz des Fahrers passt im Großen und Ganzen, auch wenn wir hin und wieder die Bedienungsanleitung zu Rate ziehen mussten und dem Touchscreen am Multimedia-Bildschirm etwas mehr Sensibilität gewünscht hätten. Unser Testwagen in der Top-Ausstattung Comfort+ glänzte serienmäßig mit einem ganzen Heer von Helferlein, die in dieser Klasse nicht unbedingt zu erwarten sind. Dazu gehören neben dem schlüssellosen Zugang unter anderem Rückfahrkamera und radargesteuerter Abstands-Tempomat bis hin zur eigenständigen Notbremsung. Sehr aufwendig ist der Allgrip genannte Allrad des Stadtindianers. Das System schaltet automatisch die Hinterachse zu, so es Schlupf an den Vorderrädern registriert. Dabei kann der Fahrer auch per Schalter auf der Mittelkonsole vier Fahrmodi zwischen "Auto" und "Sport" vorwählen.

Der 1,6-l-Benziner in unserem Testwagen ist nicht unbedingt erste Wahl. Er hat zwar wie sein Diesel-Bruder 120 PS, aber nur halb soviel Drehmoment. Und auch das liegt erst bei 4400 Touren an. So ist das Otto-Aggregat eher brav, als spritzig und muss sich mit einem Fünfgang-Handschalter begnügen. Der Verbrauch geht in Ordnung, unser privates Vergleichsfahrzeug war selten unter 10 Liter zu bekommen. Das Fahrwerk ist auf Komfort getrimmt, schluckt kurze Stöße, mag aber keine langen Bodenwellen.

Trotz allem präsentiert sich der Vitara als ein angenehmes Alltagsauto, das allerdings in der von uns gefahrenen Top-Ausstattung preislich schon etwas vorweg fährt.

DatenblattSuzuki Vitara: SUV der Kleinwagenklasse, 5 Türen, 5 Sitze

Antrieb: Vierzylinder, Otto-Motor, 1586 ccm,120 PS, variable Ventilsteuerung, max. Drehmoment 156 Nm bei 4400 U/min, Euro 6, Fünfgang-Handschaltung, automatisch zuschaltender Allrad, Start-Stopp-System

Fahrleistungen: Höchstgeschwindigkeit 180 km/h, Beschleunigung 0-100 km/h 12 sec., Testverbrauch 7,4 l,Tankinhalt 47 Liter

CO2-Emission: 156 g/km (bei Normverbrauch von 5,6 l), Effizienzklasse C

Maße und Gewichte: Länge 4175 mm, Breite 1775 mm, Höhe 1610 mm, Leergewicht 1235 kg, Zuladung 495 kg, Kofferraumvolumen 375-1120 Liter, Anhängelast 1200 kg (gebremst)

Preis: 25 590 Euro (Grundpreis), 26 715 Euro (Testwagen)
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