Columbos Karre
Peugeot 403 Cabriolet

Auch weil das Peugeot 403 Cabrio dem Fernsehkommissar Columbo als fahrbarer Untersatz diente, kletterten die Preise tüchtig in die Höhe - in Deutschland auf mindestens 50 000 Euro. Bild: dpa
 
Auf seinen Touren über die hessische Bergstraße oder den Odenwald träumt sich Cabrio-Besitzer Christian Bohr auf die Straßen der Côte d·Azur.

Als Limousine war der 403 erste Millionseller von Peugeot. Das Cabrio indes ist eine Rarität geblieben, die aber in Hollywood unsterblich wurde: Als Dienstwagen von Inspektor Columbo. 60 Jahre nach der Premiere ist das für die stolzen Sammler Fluch und Segen zugleich.

Einen Trenchcoat würde sich Christian Bohr schon aus Prinzip nicht kaufen. Am Steuer sitzt er am liebsten mit Polo-Shirt und Schiebermütze. Und dass bei seinem Peugeot 403 Cabrio alle an eine amerikanische Krimiserie aus den 70ern denken, kann er so langsam nicht mehr hören. Denn nur weil der nach Hessen ausgewanderte Saarländer mit dem Faible für Frankreich das gleiche Auto fährt wie ein gewisser Inspektor Columbo, will er noch lang kein Double des TV-Stars Peter Falk sein.

Wenn er in dem luftigen Viersitzer von Langen aus über die hessische Bergstraße oder durch den Odenwald flaniert, sehnt er sich nicht auf den Hollywood Boulevard, nach Bel Air oder Santa Monica, sondern auf die Corniche, die Croisette, die Promenade des Anglais und die vielen anderen Traumstraßen an der Côte d'Azur, für die das Cabrio damals im Sommer 1956 eigentlich gedacht war.

Zwar wurde das 403 Cabrio von Publikum und Fachpresse schon bei der Premiere als "formvollendet" gerühmt, so Peugeot-Sprecher Ulrich Bethscheider-Kieser. Doch seinen Ruhm als Filmstar erlangte der offene 403 erst als Youngtimer. Denn als die Dreharbeiten in Hollywood zum Serienstart 1968 begannen, war die Produktion bei Peugeot schon seit sieben Jahren eingestellt. Und glaubt man der Legende, war es eher ein Zufall, dass Columbo überhaupt im Peugeot fuhr.

Denn was heute als Produkt Placement von Marketing-Abteilungen und Filmstudios mit millionenschweren Deals und seitenlangen Verträgen ausgehandelt wird, wurde damals bei einem Spaziergang über den Parkplatz entschieden. Angeblich soll Peter Falk den Wagen in der Requisitensammlung entdeckt und sich so sehr in ihn verguckt haben, dass er es ins Drehbuch schaffte. Und irgendwie passte der Peugeot ganz gut zum knautschigen Kommissar: Laut Filmskript war der 403 schon über 100 000 Meilen gelaufen und entsprechend angejahrt. Aber genau wie Columbo hat auch das Cabrio immer sein Ziel erreicht.

Christian Bohr kennt all diese Episoden auch. Doch wirklich hören mag er sie nicht mehr. Denn er hat den 403 nicht wegen, sondern trotz seiner Rolle in der TV-Produktion gekauft - und zähneknirschend den Aufschlag bezahlt, der mit dem Hollywood-Ruhm einhergeht. "Von ein paar wenigen Vorkriegsraritäten abgesehen, ist das 403 Cabrio sicherlich einer der teuersten Peugeot-Oldtimer", sagt der Liebhaber.

Nur wenige Exemplare


Das mag auch an den geringen Stückzahlen liegen. Während die Limousine von 1955 bis 1967 über 1,2 Millionen mal gebaut wurde, gab es vom Cabrio in fünf Jahren gerade mal 2050 Exemplare, sagt Bethscheider-Kieser. Und laut Peugeot-Register sind davon keine 20 Prozent mehr auf der Straße, ergänzt Bohr. Aber dass jeder den Wagen kennt und sofort ein TV-Bild vor Augen hat, sei nicht gerade eine Preisbremse: "Wenn tatsächlich mal ein Auto auf den Markt kommt, dann zahlt man dafür in Deutschland mindestens 50 000 Euro. Und in Frankreich ist der "Peugeot Columbo" gleich noch mal um 30 bis 50 Prozent teurer."

Gemessen an anderen Cabrios dieser Zeit ist der 403 trotzdem ein Schnäppchen. Vor allem, wenn man einen echten und ausgewachsenen Viersitzer sucht. Solche Autos haben damals nur noch Mercedes, Rolls-Royce oder die Amerikaner gebaut, sagt Bohr und freut sich an der zeitlos schönen Linie mit den wunderbar dezenten Heckflossen, die Peugeot gemeinsam mit Pininfarina entworfen hat. Unter der Haube arbeitet ein Vierzylinder mit 1,5 Liter Hubraum und 58 PS. Entsprechend gemütlich geht es in dem Cabrio zu. Auf dem Papier hat der 403 angeblich mal 140 km/h geschafft. Aber Bohr greift lieber früh zur Lenkradschaltung, dreht die Gänge selten aus und mutet dem Cabrio kaum mehr als 100 Sachen zu. "Mit diesem Auto flaniert man eher, als dass man es fährt", fasst er seine Philosophie zusammen.

Als Dank dafür erweist sich der Jubilar als ausgesprochen zuverlässig und bewältigt zumindest bei den zwei, drei Ausfahrten im Jahr auch lange Strecken - zur Not bis nach Nizza. Dort wurde Bohrs Wagen als Hochzeitsgeschenk 1958 an eine junge Dame ausgeliefert. Und wenn doch mal etwas kaputt geht, ist die Teileversorgung zumindest bei den mechanischen Komponenten problemlos, sagt Bohr. Schließlich sind Motor, Getriebe, Fahrwerk & Co. Übernahmeteile aus der Limousine, um die sich mittlerweile eine rege Liebhaber-Szene kümmert.

Ersatzteile sind rar


Nur bei Karosserie- oder Verdeckteilen wird es schwierig: "Das muss alles von Hand nachgefertigt werden." Aber das hat beim Cabrio eine gewisse Tradition, die bis in die Konstruktion zurückreicht: "Schon damals gab es für einige Teile keine Pressformen", sagt Bohr. "Die hinteren Kotflügel zum Beispiel wurden im Werk von Hand jeweils aus einer Tür und einem Kotflügel der Limousine zusammengesetzt."

Doch so alltagstauglich das Auto trotz seines hohen Alters auch sein mag, gönnt Bohr dem Frischluft-Franzosen mittlerweile etwas mehr Ruhe und hat sich für die sommerlichen Kurzstrecken daheim ein zweites Sommerauto gekauft. Natürlich wieder aus Frankreich, natürlich wieder ein Oldtimer und natürlich wieder offen: Zur Eisdiele fährt er mit einem Citroën 2CV.
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