Das Mädchen von der Insel
Reyna und ihr Leben auf einer Insel im Titicacasee

Dies ist Reyna. Sie ist 13 Jahre alt und lebt auf der Isla del Sol im Titicacasee. Bild: Katenkamp
 
Viele Aymara-Frauen tragen farbige Röcke. Bild: dpa

Reyna ist 13 Jahre alt und gehört zum Volk der Aymara. Ihr Zuhause ist eine Insel in Bolivien, 4000 Meter hoch, mitten im Titicacasee. Das ist der größte See in Südamerika - und einer der höchstgelegenen der Erde.

Wer Reyna besucht, kommt ganz schön aus der Puste. Wenn man mit dem Schiff am Hafen Yumani angelegt hat, muss man Hunderte Stufen hochsteigen, um zu ihrem Haus zu gelangen. Es liegt ganz oben auf der Isla del Sol. Das ist Spanisch und heißt: Insel der Sonne. Sie gehört zum Land Bolivien. Hier wohnt Reyna mit ihrer Familie: den Eltern Juan und Eusebia, der älteren Schwester und den beiden Brüdern.

Drei Geschwister


Reynas Familie hat in ihrem Haus Zimmer für Urlauber eingerichtet. Sie lebt vom Tourismus, wie viele andere hier auch. Denn Menschen aus der ganzen Welt kommen, um sich die Sonneninsel anzuschauen.

"Die Insel ist etwas ganz Besonderes", sagt Reyna. Die Isla del Sol liegt hoch über dem Meeresspiegel, etwa 4000 Meter! Zum Vergleich: Der Gipfel von Deutschlands höchstem Berg, der Zugspitze, liegt nur rund 3000 Meter über dem Meeresspiegel.

Autos fahren hier nicht. Dafür laufen viele Esel herum. Immer wieder hört man ein lautes "Iah!". Die Inselbewohner nutzen die Tiere, um schwere Lasten zu transportieren.

Reyna hilft ihren Eltern häufig bei der Arbeit in der Herberge, zum Beispiel beim Saubermachen. Wenn sie größer ist, will Reyna auch etwas mit Tourismus machen. "Ich möchte Urlauber über die Insel führen und ihnen über die Geschichte erzählen", sagt die 13-Jährige. "Deswegen ist es wichtig, dass ich später viele Sprachen spreche."

In der Inselschule lernt Reyna Spanisch, Englisch, Französisch, Portugiesisch und Aymara. Aymara ist die Sprache des Aymara-Volkes. Die meisten Bewohner der Sonneninsel gehören dazu, auch Reyna.

Ein bisschen als Reiseführerin arbeitet Reyna aber auch jetzt schon. Dann zeigt sie zum Beispiel Reisenden die Sonneninsel. Auf der gibt es viel zu entdecken. Alte Inka-Ruinen zum Beispiel. Die Inka waren ein Volk, das vor Hunderten von Jahren in Teilen von Südamerika gelebt hat.

An diesem Tag aber geht Reyna mit den Besuchern zu einem Aussichtspunkt in der Nähe ihres Hauses. Auf den Ausflug hat sie ihre beiden Haustiere mitgenommen: zwei braune, flauschige Lamas! "Es sind Mutter und Tochter", erklärt Reyna. "Beide heißen Lola. Weil sie sich so ähnlich sehen." Lamas und Alpakas spielen bei vielen Aymara eine wichtige Rolle. Aus der weichen Wolle der Tiere wird Garn gesponnen. Damit kann man viele Dinge herstellen, die sich gut an Touristen verkaufen lassen. Auch Reyna strickt häufig Handschuhe und Mützen. "Die verkaufe ich dann den Touristen, die frieren." Auf der Sonneninsel wird es nämlich ziemlich kalt. Das liegt daran, dass sie so hoch liegt.

Heute sitzt sie auf einer Mauer am Aussichtspunkt und schaut über die Insel. Ob sie sich vorstellen kann, woanders zu leben? Reyna schüttelt den Kopf. "Ich liebe die Isla del Sol", sagt sie. "Die Luft hier ist frisch und sauber." Dann rennt mit ihren Lamas den Hügel hinunter, zurück nach Hause.

Titicacasee, der Name klingt lustig. Der See liegt in den Ländern Peru und Bolivien in Südamerika.

Eine Erklärung für die Herkunft des Namens ist diese: In der Sprache Aymara bedeutet titi "Große Katze" oder "Puma". Und kaka heißt "grau". Eine alte Geschichte besagt, dass der erste Inka über einen Felsen auf die Isla del Sol und damit auf die Erde hinabgestiegen ist.

Die Inka waren ein Volk, das vor Hunderten von Jahren in Teilen von Südamerika gelebt hat. Manche Leute meinen, dass der graue Felsen der Form eines Wildkatzen-Kopfes ähnelt. (dpa)

Ich liebe die Isla del Sol. Die Luft hier ist frisch und sauber.

Auf der Isla del Sol im Titicacasee leben fast nur Aymara. Das ist ein Volk, das schon seit mehr als Tausend Jahren in Teilen von Südamerika lebt - vor allem in den heutigen Ländern Peru, Bolivien und Chile.

Viele Frauen erkennt man an ihrer Kleidung. Sie tragen besondere Hüte auf dem Kopf, die man Melonen nennt. Die schwarzen Haare haben sie zu langen Zöpfen geflochten. Aber es gibt auch viele Frauen vom Volk der Aymara, die moderne Kleidung tragen.

Wer auf der Sonneninsel spazieren geht, trifft viele Aymara-Frauen. Oft haben sie ein buntes Tuch auf den Rücken gebunden. Darin tragen sie zum Beispiel ihre Babys, aber auch Holz oder Einkäufe.

In Bolivien leben viele Aymara von der Landwirtschaft und vom Handwerk. Die Aymara treiben auch Handel. Sie verkaufen etwa Urlaubern, die in das Land reisen, Selbstgemachtes wie Textilien, Taschen oder Schmuck.

Das Volk der Aymara wurde in Bolivien lange Zeit benachteiligt. Der jetzige Präsident Boliviens, Evo Morales, setzt sich aber dafür ein, dass die Aymara die gleichen Rechte haben. Er selbst stammt aus einer Aymara-Familie. (dpa)
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