Der Kinofilm über den WM-Titel gewährt kaum neue Einblicke ins Teamleben, glänzt aber mit ...
Eine "Mannschaft" mit Höhen und Tiefen

Natürlich, der Müller: Thomas Müller hat viele Talente. Sein größtes zeigt er immer wieder auf dem Fußballplatz. Der Nationalspieler und Bayern-Star glänzt aber auch nicht selten mit seinem Humor, sorgt immer und überall für Späßchen. Seine Spontaneität ist genial.

Thomas Müller ist ein Hauptdarsteller im Kinofilm "Die Mannschaft", der seit vergangenem Donnerstag die heißen Tage von Brasilien samt WM-Titel in die deutschen Kinos holt: Müller im Dirndl beim Bedienen seiner Teamkollegen im Trainingslager in Südtirol, Müller beim Spaßgolfen im Quartier "Campo Bahia", Müller beim Erklären seines Stolperers beim Freistoß im Algerien-Spiel, den viele für eine Super-Peinlichkeit hielten. Müller winkt ab: "Leute, das war gewollt."

Eine Dokumentation über den größten fußballerischen Erfolg, den man erreichen kann, lässt sich aber nicht nur mit Späßchen füllen. "Die Mannschaft" dauert fast 90 Minuten, etwa so lange wie ein normales Fußballspiel. Und wie auf dem Rasen gibt es auch auf der Kinoleinwand stärkere und schwächere Phasen.

Viele warten bei diesem Kinostreifen, der zum großen Teil mit vom DFB produzierten Bildern gefüttert wird, auf geheime Einblicke aus dem Innenleben eines Weltmeisters. Doch Überraschendes fehlt. Zu sehen sind: die Spieler am Pool, Jogi beim Strandlauf, die Jungs beim Massieren, Lahm und Co. beim Empfang mit brasilianischen Kindern. Herzliche Umarmungen, es menschelt brutal. Doch diese Szenen liefen auch schon während der WM-Tage. Die intimsten Momente im Film sind noch die, wenn Spieler und Trainer sich vor einem Spiel im Kreis einschwören. Naja, neu ist das auch nicht.

Immer wieder Bierhoff

Auffallend oft lobt Manager Oliver Bierhoff den Teamgeist. Braucht er nicht. Der ist auch so zu spüren. Freilich wissen die Jungs, dass Kameras auf sie gerichtet sind, doch es kommt dennoch offen rüber, dass hier wirklich eine Mannschaft agiert hat, eine verschworene Gemeinschaft, gegen die die Messis, Ronaldos und auch die hochfavorisierten Gastgeber nicht ankamen. Dieses Halbfinale, dieses 7:1, dieses brutale Ausknipsen des brasilianischen Nationaltraums - in diesem Spielabschnitt hat der Film eine ganz starke Phase. Die Bilder der am Boden zerstörten Brasilianer, die Bilder der tröstenden Deutschen, die gar keine Häme empfanden - großer, fairer Sport auf höchster Ebene. Überhaupt beeindrucken die Filmsequenzen von den einzelnen Spielen. Müllers-Dreierpack gegen Portugal, das Zittern gegen Ghana, die Dramatik gegen Algerien, als "Libero" Manuel Neuer glänzte und Torwartrainer Köpke nachher schmunzelnd lobte: "Ein bisschen was im Tor kann er ja auch noch."

Erfüllter Lebenstraum

Und natürlich Götze, 1:0, der Titel, der goldene Pokal, der erfüllte Lebenstraum. Unterlegt mit Originalkommentar und auf Großleinwand wirken die Tore noch emotionaler. Die Feierlichkeiten danach sind auch an manchen Stellen aufgewärmt, doch die ein oder andere Sequenz enthüllt dann doch, dass diese Helden keine Asketen sind. Und wer war bei der Party ganz vorn dabei? Natürlich der Müller.

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Regie: Martin Christ, Jens Gronheid, Ulrich Voigt - Musik: Helmut Zerlett - 88 Minuten - frei ohne Altersbeschränkung - www.constantin-film.de/kino/ die-mannschaft
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