Der Sternenhimmel im Dezember 2016
Sternschnuppen und eine Schaltsekunde

Der Sternenhimmel im Dezember 2016. Grafik: dpa
 
Der Fixsternhimmel im Dezember 2016. Grafik: dpa

Der Dezemberhimmel bietet die Sternschnuppenströme der Geminiden und der Ursiden, eine helle Venus und leuchtende Wintersternbilder. Partylöwen bekommen einen Augenblick mehr Zeit: Die Silvesternacht wird um eine Sekunde verlängert.

Unser innerer Nachbarplanet, die Venus, wird im Dezember zum auffälligen Abendstern. Bald nach Sonnenuntergang entdeckt man sie als weißen Lichtpunkt tief am Südwesthimmel. Sie leuchtet auffällig, weil ihre dichte Wolkenhülle das einfallende Sonnenlicht weitgehend reflektiert. Im Fernrohr zeigt sich Venus im Dezember halb beleuchtet auch wenn die exakte Phase "Halbvenus" erst Mitte Januar 2017 erreicht wird. Zu Monatsanfang geht Venus kurz nach 19 Uhr unter, zu Silvester erst um halb neun Uhr abends. Am 3. zieht die schmale Sichel des zunehmenden Mondes nördlich, also oberhalb an Venus vorbei. Zu dieser Konstellation gesellt sich noch Mars, der weiter östlich steht. Das Dreigestirn bietet einen netten Himmelsanblick über dem Südwesthorizont. Mars ist allerdings der lichtschwächere der drei Wandelgestirne. Dennoch ist der Rote Planet gut mit bloßen Augen zu erkennen. Zum Jahresende verabschiedet sich Mars kurz nach 21.30 Uhr und geht unter.

Tiefflieger Merkur


Bei guten Sichtbedingungen zeigt sich in Süddeutschland der flinke Merkur in den Tagen vom 11. bis 16. etwa eine Viertelstunde in der fortgeschritten Abenddämmerung knapp über dem Südwesthorizont. Ein Fernglas erleichtert die Jagd nach diesem sonnennahen Planeten.

Jupiter im Sternbild Jungfrau beherrscht den Morgenhimmel. Zu Monatsanfang erfolgt der Aufgang des Planeten kurz nach 3 Uhr morgens, zu Silvester jedoch schon um 1.30 Uhr. Etwa eine Viertelstunde nach seinem Aufgang kann man Jupiter am Südosthorizont erkennen. Am 22. passiert der abnehmende Halbmond den Riesenplaneten.

Hunderte Meteore


Zwei Meteorströme bescheren uns im Dezember zahlreiche Sternschnuppen. Vom 6. bis 16. flammen die Geminiden auf. Wie der Name verrät, liegt ihr Ausstrahlungspunkt im Sternbild der Zwillinge. Ihre größte Aktivität entfalten sie in der Nacht vom 13. auf 14., wo in der Stunde um Mitternacht stündlich bis zu 120 Sternschnuppen und teilweise helle Boliden aufleuchten. Leider stört in diesem Jahr der Vollmond die Beobachtung der Geminiden ganz erheblich. Ihren Ursprung führen die Geminiden auf den Planetoiden Phaeton zurück, der vermutlich ein inaktiver Kometenkern sein dürfte. Er hat seit Millionen Jahren Bruchstücke entlang seiner Bahn um die Sonne verloren.

Ursiden beobachten


Vom 16. bis 25. blitzen die Ursiden auf. Sie scheinen dem Sternbild Kleiner Bär zu entströmen. Sie heißen nach der lateinischen Bezeichnung für dieses Sternbild: Ursa Maior. Das Maximum des Stromes ist in der Nacht vom 21. auf 22. gegen Mitternacht zu erwarten, wobei etwa zehn Meteore pro Stunde aufleuchten.

Am 13. passiert der Mond seinen erdnächsten Punkt, wobei ihn 358 460 Kilometer von uns trennen. Am Morgen des 13. bedeckt der Mond um 6.25 Uhr den rötlichen Aldebaran, Hauptstern des Stieres. Die exakte Vollmondphase tritt am 14. um 1.06 Uhr im Sternbild Stier ein. Die Vollmondnacht vom 13. auf 14. ist die längste des Jahres 2016. Auch erreicht der Vollmond kurz nach Mitternacht seine höchste Position über dem Südpunkt des gesamten Jahres. In Erdferne hält sich der Mond mit 405 870 Kilometer Distanz am 25. auf. Vier Tage später, am 29. um 7.53 Uhr wird die Neumondphase erreicht.

Herbst ade


Die Herbststernbilder verabschieden sich allmählich von der abendlichen Himmelsbühne. Hoch im Süden hat der Widder die Mittagslinie bereits passiert. Das Pegasusquadrat und die Sternenkette der Andromeda sind noch hoch im Westen zu sehen. Der Schwan mit seinem hellen Stern Deneb ist ebenfalls noch im Westen zu sehen. Tief im Nordwesten leuchtet die bei uns fast zirkumpolar Wega im Sternbild Leier. An ihrer bläulichen Farbe ist sie leicht zu erkennen.

Die Osthälfte des Himmelsgewölbes ist nun reich an hellen Sternen, denn der Aufmarsch der Wintersternbilder hat begonnen. Das Wintersechseck ist komplett über dem Horizont erschienen. Es setzt sich aus den hellsten Sternen der sechs bekanntesten Wintersternbilder zusammen. Es sind dies hoch im Südosten, fast im Zenit, die gelbliche Kapella im Fuhrmann, Aldebaran im Stier, Rigel im Orion, Sirius im Großen und Prokyon im Kleinen Hund sowie Pollux in den Zwillingen.

Strahlemann Sirius


Obwohl Sirius noch tief im Südosten steht, funkelt er dennoch auffällig in einem bläulich-weißen Licht. Sirius ist der hellste Fixstern des gesamten Firmaments. Mit knapp neun Lichtjahren Entfernung zählt Sirius zu den Nachbarsternen unserer Sonne. Mit seiner Hilfe haben schon vor 4000 Jahren die Ägypter festgestellt, dass ein Jahr um einen Vierteltag länger ist als 365 Tage. Ein Reformversuch von König Ptolemaios III., Euergetes genannt, im Jahre 238 vor Chr., alle vier Jahre einen Schalttag einzuführen, scheiterte am erbitterten Widerstand der ägyptischen Priesterschaft.

Die Sonne wechselt am 18. aus dem Sternbild Schlangenträger in das Sternbild Schütze. Am 21. erreicht sie um 11.44 Uhr den tiefsten Punkt ihrer Jahresbahn, die Wintersonnenwende tritt ein. Der Winterpunkt markiert den Beginn des Tierkreiszeichens Steinbock, weshalb man auch vom Wendekreis des Steinbocks spricht. Die Nacht vom 21. auf 22. Dezember ist die längste des ganzen Jahres. Sie dauert in Berlin 16:22 (Stunden:Minuten), in Hamburg 16:33, in Köln 16:05, in Stuttgart 15:45 und in München 15:40.

Die Erde wird langsamer


In der Neujahrsnacht wird wieder einmal um 0 Uhr Weltzeit, dies entspricht 1 Uhr MEZ am 1. Januar 2017, eine Schaltsekunde in die koordinierten Weltzeit (UTC) eingefügt. Dies ist erforderlich, da die gute, alte Erduhr schlapp macht - sie wird immer langsamer. Schuld daran ist der Mond, der die Erdrotation langsam aber stetig abbremst. Nach Einfügen der Schaltsekunde wird die Differenz der Weltzeit zur Internationalen Atomzeitskala (TAI) 37 Sekunden betragen. Die Weltzeit wird dann um mehr als eine halbe Minute der Atomzeitskala hinterher hinken. Ohne Einfügen von Schaltsekunden würde langfristig gesehen die Sonne erst aufgehen, wenn bei uns die Uhren zwölf Uhr mittags anzeigen.

Astro-TermineDie Sternwarte Tirschenreuth hat im Dezember freitags ab 20 Uhr geöffnet, am 30. geschlossen. Die Sternwarte Amberg-Ursensollen hat freitags ab 19.30 Uhr geöffnet, ab Weihnachten Winterpause. Die Sternwarte Dieterskirchen (Kreis Schwandorf) hat freitags ab 19 Uhr geöffnet. Offener Stammtisch der Sternenfreunde Dieterskirchen am Dienstag, 13. Dezember, ab 19 Uhr im "Hexenhäusl" in Dieterskirchen. Offener Stammtisch des Arbeitskreises "Deepsky-Hunters Weiden" am Donnerstag, 15. Dezember, ab 18.30 Uhr in der Pizzeria"Da Peppino", Theisseil. (za)

Weitere Informationen:

www.sternwarte-tirschenreuth.de www.sternwarte-dieterskirchen.de www.volkssternwarte-amberg.de www.deepsky-hunters.de
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