"Die Augen des Engels": Der Versuch eines Films über den realen Mordfall Amanda Knox - Mit ...
Spannende Vorlage verkommt zur puren Kulisse

Daniel Brühl spielt den Regisseur Thomas, der sich in die Kellnerin Melanie (Cara Delevingne) verliebt. "Die Augen des Engels" ist grob an die Geschichte der Amerikanerin Amanda Knox angelehnt ist, der immer wieder in den Schlagzeilen war. Bild: Concorde
Eine junge, britische Austauschstudentin wird in Italien ermordet in ihrer Wohnung gefunden. Die Verdächtigen: ihre schöne Mitbewohnerin aus den USA und deren italienischer Freund. Das angebliche Motiv: Sex.

Der Fall Amanda Knox ist eine fantastische Vorlage für einen großen Kinofilm, sollte man meinen. Eine spannende Geschichte. Der britische Autorenfilmer Michael Winterbottom hat sich allerdings entschieden, diese Geschichte nicht zu erzählen - und das, obwohl er jetzt einen Film über den Fall ins Kino bringt.

Was absurd klingt, lässt sich ganz einfach erklären: In Winterbottoms Film ist der Fall Knox ebenso Kulisse wie das italienische Siena, in das der Regisseur den eigentlich in Perugia spielenden Fall verlegt. Einer der größten Kriminalfälle der vergangenen Jahren wird für ihn zum Hintergrundrauschen in einer Geschichte über die Midlife-Crisis eines einst erfolgreichen Drehbuchschreibers und Regisseurs.

Sein Film erzählt Winterbottoms eigene Geschichte - die eines Regisseurs, der daran scheitert, aus dem Fall Amanda Knox einen Film zu machen. Im Film heißt der Regisseur Thomas und wird gespielt von dem Deutschen Daniel Brühl. Die Journalistin, deren Buch er verfilmen will, heißt im Film Simone und wird gespielt von Kate Beckinsale ("Pearl Harbor"). Mit ihr trifft der Regisseur sich, um sein Drehbuch zu entwickeln. Auch die Protagonisten Knox und Kercher heißen im Film anders. Die Szenen, in denen sie zu sehen sind, gleichen aber den realen vom Tatort und aus dem Gerichtssaal.

Wenn Thomas sich immer neue Einstiege in seinen Film einfallen lässt, ist es, als beobachte der Zuschauer Regisseur Winterbottom selbst bei seinem Versuch, einen Zugang zur Geschichte zu finden.

Am Ende hat Winterbottom einen. Er widmet den Film Meredith Kercher und denen, die sie lieben und verloren haben. Ein Film über die Liebe soll es sein. Eine schöne Idee ist das eigentlich. Leider wirkt sie hier nur wie eine Notlösung.

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"The Face of an Angel" (Originaltitel) - Regie: Michael Winterbottom - Mit Daniel Brühl, Cara Delevingne, Kate Beckinsale - Musik: Harry Escott - Prädikat: wertvoll - 102 Minuten - frei ab 12 Jahren - www.augendesengels-film.de
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