"Elser" von Oliver Hirschbiegel: Das Drama des gescheiterten Hitler-Attentats
Schreiner, Freigeist, Held

Georg Elser (Christian Friedel) misst im Bürgerbräukeller das Versteck für seine Bombe aus. Das historische Drama über den Widerstandskämpfer kommt heute in die Kinos. Bild: Bernd Schuller/Lucky Bird Pictures
Ein junger Mann beim Baden am Bodensee. Er lacht mit Freunden, spielt Gitarre und macht den Frauen schöne Augen. Es ist der Sommer 1932. Wenige Monate, bevor Adolf Hitler in Deutschland die Macht ergreifen sollte. Der charmante Mann ist der Schreiner Georg Elser, der nach seiner Lehre auf Wanderschaft ist und das Leben genießt - noch. Denn der aufziehende Nationalsozialismus beunruhigt ihn so sehr, dass er bald einen lebensgefährlichen Plan schmiedet: Er will Hitler ermorden.

Filmisches Denkmal

Regisseur Oliver Hirschbiegel hat dem mutigen Handwerker aus dem schwäbischen Hermaringen nun ein filmisches Denkmal gesetzt. Das Attentat ist dabei Rahmenhandlung und Kernstück zugleich. Der Film nach dem Drehbuch von Fred Breinersdorfer und seiner Tochter Léonie-Claire beginnt im Münchner Bürgerbräukeller. Mit blutigen, zittrigen Händen versucht Elser, mitten in der Nacht seine Bombe mit Zeitzünder in einer Säule hinter dem Rednerpult zu platzieren, wo Hitler zwei Tage später zu den Menschen im Saal sprechen soll. Doch der Plan geht nicht auf.

Hirschbiegel, der mit seinem oscarnominierten Hitler-Film "Der Untergang" weltweit Aufsehen erregte, interessierte weniger die Frage, wie das Attentat ablief - damit will er sich auch von Klaus Maria Brandauers Film "Georg Elser - Einer aus Deutschland" aus dem Jahr 1989 abgrenzen. Hirschbiegel ging es um die Persönlichkeit des Menschen, der in diesen politisch gefährlichen Zeiten den Mut zu so einer Tat aufbrachte und sie tatsächlich auch völlig allein durchzog. Er wollte zeigen, wie die nationalsozialistische Ideologie schleichend Einzug in den Alltag hielt und wie aufmerksam und weitsichtig Elser diese Veränderungen in der Gesellschaft wahrnahm und einordnete. Und wie die Nazis den mutigen Widerstandskämpfer als wahnhaften, psychisch kranken Kollaborateur der Amerikaner und Engländer darstellten, bevor sie ihn wenige Wochen vor Kriegsende am 9. April 1945 im Dachauer Konzentrationslager ermordeten.

In den Fängen der Nazis

Christian Friedel ("Das weiße Band") verleiht Elser eine Mischung aus Leichtigkeit, Nachdenklichkeit und Trotz. Schon früh spürt der Schreiner, welche Gefahr über seiner Heimat heraufzieht. Anders als früher in vielen Geschichtsbüchern dargestellt spielt er ihn aber nicht als verrückten Tüftler, der sich in einen Wahn hineinsteigert, so wie es die Nazis gerne darstellen wollten. Sein Elser strahlt trotz aller Nervosität eine beeindruckende Ruhe aus, die klar macht, dass Elser genau wusste, was er tat und stets Herr seiner Sinne war.

Besonders grausam sind die Verhörszenen mit Burghart Klaußner als undurchsichtigem Kripo-Chef Arthur Nebe und Johann von Bülow als Gestapo-Chef Heinrich Müller. Hirschbiegel erspart den Zuschauern diese Grausamkeiten nicht. Er zeigt, wie die Folterknechte Elser auspeitschen und bis aufs Blut quälen.

___

Regie: Oliver Hirschbiegel - Mit Christian Friedel, Katharina Schüttler, Burghart Klaußner, David Zimmerschied - Musik: David Holmes - 113 Minuten - frei ab 12 Jahren - www.elser-derfilm.de
Weitere Beiträge zu den Themen: Filmkritiken / netzhaut (1432)April 2015 (8563)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.