Fahrbericht Fiat Abarth 595 Competizione
Knutschkugel wird zur Rennsemmel

Als könnte er kein Wässerchen trüben: Der Fiat Abarth 595 Competizione hat es aber faustdick hinter den Ohren. Bild: bz
 
Ganz auf Sport getrimmt ist das Interieur des Skorpions. Bild: bz

Knutschkugel wird zur Rennsemmel

Von Berthold Zeitler

Eigentlich hatte ich gedacht, den Virus ausgeheilt zu haben. In der Sturm- und Drangzeit hatte er immer wieder mal für Fieberschübe gesorgt, die nur mit diversen motorsportlichen Aktivitäten auszukurieren waren. Aber als Motorredakteur lebt man ja ständig mit der Gefahr eines Rückfalls. Und der steht da jetzt in der Form eines Wägelchens, das gerne als Knutschkugel bezeichnet wird. Das mag ein Fiat 500 normalerweise auch sein. Der hier aber ist im Zeichen des Skorpions geboren. Wie der legendäre Carlo Abarth, von dem er seinen Namen hat. Und das heißt: Wir haben die giftige Version eines ansonsten kreuzbraven Wagens. Die Renn-Semmel ist eine ganz heiße Nummer.

So im trofeo-grauen Look wirkt der 595 Competizione richtig unscheinbar. Nur auf den ersten Blick. Auf den zweiten erkennt man die breiten Schlappen, die voluminösen Bremssättel von Brembo und die vier Endrohre des Dual-Mode-Auspuffs. Und da kommt nicht nur heiße Luft raus.

Erst einmal zum Leben erweckt, brabbelt das 1,4-l-Motörchen, holt sich kräftig Luft zum freien Durchatmen und entwickelt dann mit jeder noch so kleinen Gasbewegung einen Sound, den die Jugend von heute oftmals als geil bezeichnet. Ein Zuffenhausener Geschoss könnt's nicht besser. Jedenfalls sorgt der Abarth für reichlich Kopfverdrehungen in den Straßencafés. Und man muss schon viel Willenskraft aufbieten, um das Publikum nicht mit einer erneuten Marktplatz-Runde nochmals in den Genuss kommen zu lassen.

Offiziell zwar ein Viersitzer, taugt das Platzangebot aber nur für eine enge Zweierbeziehung. Die im Testwagen verbauten Rennsportsitze sind mit feinem Leder bezogen, halten den Körper auch dann noch fest in Position, wenn Fliehkräfte ans Werk gehen wollen. Und davon gibt's reichlich.

Denn der Auto-Zwerg hält, was das Datenblatt verspricht. Souverän bringt er die schiere Kraft auf die Straße, ohne nerviges Zerren am Lenkrad. In Nullkommanix ist Tempo 100 erreicht. Per Knopfdruck auf die Sporttaste auch noch einen Tick schneller. Und dann geht es hurtig weiter bis zu einer Endgeschwindigkeit, die allemal ausreicht, um die Großen sozusagen in den Auspuff schauen zu lassen. Dass die Koni-Dämpfer da nicht auf Komfort getrimmt sind, versteht sich. Das Sportfahrwerk ist zwar knochenhart, aber für den Einsatzzweck goldrichtig.

Die Wedeldisziplin absolviert der Abarth in stoischer Ruhe. Plötzliche Lastwechsel sorgen auch nicht für hektische Nervosität. Das Fünfgang-Getriebe ist eng gestuft, die Bremsen sind von der zupackenden Art. Man muss nicht räubern, der Abarth lässt sich auch genüsslich über die Landstraße kutschieren. Über die Größe des Kofferraums oder des Tankvolumens sich auslassen zu wollen, erübrigt sich. Der 595 ist kein Einkaufswagen, sondern ein Spielzeug für Motorbegeisterte. Und die wissen, dass es den Spaß nicht für kleines Geld gibt.

DatenblattFiat Abarth: Kleinwagen, 3 Türen, 4 Sitze

Antrieb: Vierzylinder, Otto-Motor, 1368 ccm, 180 PS, max. Drehmoment 250 Nm bei 3000 U/min, Euro 6, Fünfgang-Schaltung, Frontantrieb

Fahrleistungen: Höchstgeschwindigkeit 225 km/h, Beschleunigung 0-100 km/h in 6,7 sec., Testverbrauch 7,6 l, Tankinhalt 35 Liter

CO2-Emission: 139 g/km (bei Normverbrauch von 6,0 l), Effizienzklasse E

Maße und Gewichte: Länge 3660 mm, Breite 1627 mm, Höhe 1485 mm, Leergewicht 1145 kg, Zuladung k.A. Kofferraumvolumen 185 Liter

Preis: 24 790 Euro (Grundpreis), 28 110 Euro (Testwagen) (bz)
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